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Eine Frau geht ihren Weg - von Togo nach Düren

Frau Peters sitzt an ihrem Schreibtisch und arbeitet mit der Tastatur. Sie trägt einen grauen Pullover und das Haar ist zu vielen Zöpfen geflochten
Foto: Kreis Düren

Die erblindete Diplomjuristin Ayiba Peters arbeitet bei der job-com des Kreises Düren.

'Ich bin ein optimistischer Mensch und habe viel Glück gehabt in meinem Leben', sagt Ayiba Peters. Die 42-jährige Diplomjuristin arbeitet seit Mai 2017 bei der job-com des Kreises Düren. Nach einem Praktikum hatte sie einen unbefristeten Angestelltenvertrag bekommen. Seitdem ist Ayiba Peters Sachbearbeiterin in der Rechtsbehelfsstelle des Jobcenters.

Sie stellt sicher, dass das Handeln ihres Amtes mit der Gesetzgebung und der aktuellen Rechtsprechung übereinstimmt. Sie beantwortet Fragen, prüft Bescheide, erarbeitet Verträge und berät in Sachen Datenschutz und Ordnungswidrigkeiten. „Ich wollte schon immer in einer Behörde arbeiten. Bei der job-com bin ich sehr gut aufgenommen worden, die Arbeit bereitet mir viel Freude, ich bin sehr zufrieden“, sagt die Frau, die in Togo geboren wurde und 1984 als Siebenjährige mit ihren Eltern nach Deutschland zog. Innerhalb eines halben Jahres lernte sie Deutsch.

Ayiba Peters ist blind. Im Teenageralter ließ ihre Sehkraft mit und mit nach. Der grüne Star führte schließlich dazu, dass sie mit Mitte 20 nicht einmal mehr Hell-Dunkel-Kontraste wahrnehmen konnte. Nach dem Abitur 1999 in Marburg absolvierte die junge Frau ein Freiwilliges Soziales Jahr in England. Zurück in Deutschland legte sie 2005 die Erste Juristische Staatsprüfung an der Universität zu Köln ab.

Nach dem Referendariat arbeitete Ayiba Peters bei einer Anwältin für Familienrecht in Köln, studierte nebenher an der Fernuni Hagen Mediation und wurde im Rahmen einer Weiterbildung zum Verfahrensbeistand für Kinder ausgebildet. Während eines Verwaltungsangestelltenlehrgangs 2016 beim Berufsförderungswerk Düren, tat sich für sie – völlig unerwartet - die Tür zur job-com auf.

Eine Chance, die die wissbegierige Frau beim Schopf packte. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich arbeite in einem tollen Team. Als Pendlerin kommen mir die flexiblen Arbeitszeiten besonders gelegen“, sagt sie. Im Kreishaus hat sie nun einen Computerarbeitsplatz. „Ich profitiere von der modernen Technik“, weiß sie. Die Navigation durch die verschiedenen Programme oder das Vorlesen eingescannter Dokumente erfolgt durch eine Sprachausgabe. Parallel tastet sie mit ihren Fingerkuppen über eine Braille-Zeile. Wo die Technik an ihre Grenzen stößt, „leiht“ ihr eine Arbeitsplatzassistenz zweimal pro Woche ihre Augen, beispielsweise beim Sichten und Vorlesen handschriftlicher Dokumente. Diese Assistenz ist bei ihr angestellt und wird vom Integrationsamt finanziert. Die Liebhaberin von Fantasy- und historischen Romanen bleibt neugierig und aktiv.

Ab Januar 2020 hat sie einen Lehrauftrag für Sozialrecht für ein Semester an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln angenommen. „Das hat mich gereizt, und ich bin gespannt, was mich erwartet.“

Übrigens ist Ayiba Peters auch am Wochenende als Kellnerin im Dunkelrestaurant „Unsicht-Bar“ in Köln anzutreffen, wo sie bereits seit ihrer Studienzeit sehenden Gästen einen kleinen Einblick in die Welt der Blinden gibt.

 

Quelle: Artikel Kreisrund, 19. Jahrgang – Ausgabe Nr. 4 – 22. Dezember 2019

Artikel Kreisrund 12/2019