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Zentrum für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen

Im Gesamtpaket überzeugt

Eine junge Frau mit langen blonden Haaren sitzt an ihrem PC-Arbeitsplatz mit Braillezeile. Sie trägt ein Headset und lächelt freundlich in die Kamera

Ein Tumor raubte Jasmin Rath innerhalb kurzer Zeit das Augenlicht – doch von diesem Schicksalsschlag ließ sie sich nicht entmutigen. Im Gegenteil: Die gelernte Krankenschwester ging die neue Herausforderung zielstrebig an und orientierte sich im Berufsförderungswerk Düren beruflich um. Ihre neue Qualifikation überzeugte auch ihren heutigen Arbeitgeber.

 

Was sich wie die Handlung einer Dramaserie anhört, ist für Jasmin Rath Realität geworden: Durch einen Tumor im Kopf verlor sie innerhalb von vier Wochen ihre Sehkraft. 2013 unterzog sie sich einer Operation: „Zuerst hatte ich noch die Hoffnung, dass meine Sehstärke nach der Entfernung des Tumors zurückkommt, aber nach einem halben Jahr war klar, dass das nicht passieren wird.“ Heute hat die junge Frau einen Sehrest von zwei Prozent, kann Umrisse und teilweise Farben erkennen – die Arbeit als Krankenschwester ist ihr damit nicht mehr möglich.

 

Doch statt sich von dieser Entwicklung entmutigen zu lassen, ergriff Jasmin Rath die Initiative: „Zuerst habe ich mich beim Landesverband des Blinden- und Sehbehindertenvereins Schleswig-Holstein über die nächsten Schritte informiert.“ Sie beantragte Leistungen zurTeilhabe am Arbeitsleben bei der Agentur für Arbeit und begann ein halbes Jahr später in Hamburg in einer Außenstelle des Berufsförderungswerks (BFW) Düren die blindentechnische Grundrehabilitation: „Dort habe ich die Punktschrift gelernt, das Arbeiten mit der Sprachausgabe für den Computer, 10-Finger-Schreiben und den Umgang mit dem Blindenstock“, blickt sie zurück. Die eigentlich einjährige Grundreha schloss die motivierte Oldenburgerin in nur acht Monaten ab – dann konnte sie im BFW Düren die Umschulung zur Verwaltungsfachangestellten beginnen.

 

Nachdem sie die Umschulung abgeschlossen hatte, war Jasmin Rath auf der Suche nach einem Arbeitsplatz: „Auf der Seite der Agentur für Arbeit fand ich eine passende Stellenanzeige – und habe mich direkt beworben.“ Dabei ging sie ganz offen mit ihrem Handicap um: „Ich habe geschrieben, dass ich schlecht sehe, das aber mit Hilfsmitteln ausgleichen kann.“ Ihre Offenheit und Qualifikation waren genau das Gesamtpaket, das im Jobcenter Rhein-Erft gesucht wurde. Geschäftsführer Herbert Botz ist nach wie vor von der Entscheidung, die junge Frau einzustellen, überzeugt: „Die Einstellung erfolgte nicht aus Mitleid mit Frau Rath – sie hat einfach unsere Anforderungen von allen Bewerbern am besten erfüllt und beweist jeden Tag, dass wir recht hatten.“ Die Ausstattung des Arbeitsplatzes mit Braillezeile und Sprachausgabe sowie die Hilfe einer Assistenz ermöglichen Jasmin Rath, ihre Arbeit wie jeder andere auszuüben – und sichern so das Know-how einer qualifizierten Fachkraft.

2 Frauen und ein Mann stehen vor dem Eingang des Jobcenters Rhein Erft