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Prominenter Besuch im Berufsförderungswerk Düren

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles besuchte am 16.09.2016 das Berufsförderungswerk Düren

 

Mit sachten Schritten lief Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) den Flur des Berufsförderungswerkes zur beruflichen Rehabilitation Blinder und Sehbehinderter in Düren entlang. In ihrer rechten Hand hielt sie einen Blindenstock... [zum Artikel]

 

Quelle: http://www.aachener-zeitung.de/lokales/dueren/andrea-nahles-besucht-duerener-berufsfoerderungswerk-1.1450265

 

 


 

Lebenspraktische Fähigkeiten - Ein Erfahrungsbericht

 

Menschen, die von Geburt an blind sind, lernen von Kindesbeinen an, mit ihrer Beeinträchtigung im Alltag klar zu kommen. Viele sind in späteren Lebensjahren von einer massiven Beeinträchtigung des Sehvermögens betroffen. Dies stellt eine hohe Herausforderung dar. Oft werden Betroffene sehr plötzlich und unerwartet mit einer progredienten und irreversiblen Augenerkrankung konfrontiert. Diese Diagnosen beeinflussen fast alle Lebensbereiche auf massivste Weise. Nicht selten muss die gesamte Lebensplanung über Bord geworfen werden. Beispielsweise dürfen viele Betroffene kein Auto (mehr) fahren und berufliche Wege müssen neu überdacht werden. Neben dem psychischen Verarbeiten der oft fatalen neuen Lebenssituation müssen diese Menschen mit viel Geduld und Mut erlernen, wie Sie im Alltag praktisch zurechtkommen. Zu den Bereichen dieses Lernens gehört das Training lebenspraktischer Fähigkeiten [mehr]

 


 

Menschen im Blickpunkt: Alexandra – Blind, selbstbewusst, selbstbestimmt

 

Erfahren, erfühlen, ertasten

Alexandra Okpisz ist von Geburt an blind. Trotz dieses Handicaps schloss die 36-jährige ihr Germanistikstudium mit dem Master of Arts ab – getrieben von der Kraft ihres Willens und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Bei aller Dunkelheit, die sie umgibt, sucht sie das Licht der Freiheit. Ihr Traum: Ein Job, der sie erfüllt. Im Berufsförderungswerk Düren für Blinde und Sehbehinderte erhält sie die beste Vorbereitung und Qualifizierung ... [zum Artikel]

 

Quelle: http://www.ov-news.de

 


 

Neues Berufsbild "FachpraktikerIn Service in sozialen Einrichtungen"

 

Ab Januar 2017 bietet die Berufsförderungswerk Düren gGmbH das  IHK-Berufsbild „FachpraktikerIn Service in sozialen Einrichtungen„ an. Die Umschulung dauert 24 Monate und ist ausgelegt für Umschüler, welche gern für und mit anderen Menschen arbeiten.

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Neues EU Projekt zur Verbesserung der Teilhabe gestartet

Logo des Projektes STAII VIT

Am 1.12.2015 startete das Projekt STAII VIT (Gesprochen: Stay Fit). Ziel des Projektes ist, die Teilhabe von Menschen mit Sehbehinderung durch Sport zu verbessern. Durch die integrative Funktion des Sportes sowie eine spezielle Ausbildung für Trainer und Sportlehrer, soll die Inklusion der Zielgruppe verbessert werden. Nähere Informationen finden sich auf der Projektseite.

 


 

Experten für das Thema Sehen - Initiative 360°

Logo der Initiative 360 Grad

 

360° heißt die neue gemeinsame Initiative der vier BFW in Düren, Halle, Mainz und Würzburg. Ziel ist die bundesweite Vermittlung von Knowhow an professionelle Nutzer, die mit der Zielgruppe der blinden und sehbehinderten Menschen in beruflichem Kontakt stehen.

 

Schwerpunkt des gemeinsamen Angebotes werden zum Start Schulungen und Materialien, die berufliche und Ausbildung-Bezüge umfassen. Unser Angebot richtet sich an alle, die Menschen mit (erworbenen) Behinderungen dabei unterstützen, ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Schwerpunktmäßig sind dies zum Beispiel:

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Orthoptikschülerinnen besuchen das Berufsförderungswerk Düren

 

Wir, die Orthoptikschülerinnen der Uniklinik Düsseldorf, bedanken uns recht herzlich, dass wir die Möglichkeit hatten uns einen Einblick über die Arbeit mit sehbehinderten und blinden Menschen zu verschaffen. Anbei schicken wir einen kleinen Rückblick auf unseren Besuch. mehr>>

 


 

Der Ausbildungsberuf „Kaufleute für Büromanagement“

 

Seit August 2014 hat der Ausbildungsberuf „Kaufleute für Büromanagement“ die Berufsbilder Bürokaufmann, Kaufleute für Bürokommunikation und Fachangestellte für Bürokommunikation abgelöst und somit ein übergreifendes IHK-Berufsbild geschaffen, das seit Januar 2015 im BFW Düren angeboten wird. mehr>>

 


 

Beratungsangebot für hör- und sehbehinderte Menschen

 

Das BFW Düren bietet Menschen mit einer kombinierten Sinnesbehinderung ein besonderes Beratungsangebot an. Hör- und sehbehinderte Menschen benötigen eine spezielle Schulung für den Umgang mit dem Langstock oder einen Vibrationsmelder und allerlei Dinge, die den Alltag unterstützen. Um Betroffenen im BFW Düren die nötige Unterstützung anbieten zu können, wurde mit der Stiftung taubblind leben eine Kooperation geschlossen, die allen Partnern dient. Im Rahmen des Projektes „AFI - Aufklären, Finden, Includieren“ der Stiftung taubblind leben findet im BFW Düren alle drei Monate eine offene Sprechstunde rund um das Thema Hörsehbeeinträchtigung statt. Auskunft hierzu gibt Ihnen gerne Frau Judith Willekens von der Stiftung taubblind leben unter Tel. 0177 – 4127039 (oder j.willekens@stiftung-taubblind-leben.de).

 


 

Neuer Beratungsstandort in Siegen

 

In Kooperation mit der Deutschen Rentenversicherung Westfalen führt das Berufsförderungswerk Düren jetzt auch Beratungen in Siegen durch.  mehr>>

 

 

 

6. Buchlesung im BFW Düren

 

Am Dienstag, 01.12.2015, war die Autorin Daniela Preiß ab 19.00 Uhr für eine Lesung zu Gast im Berufsförderungswerk Düren.

Daniela Preiß, Jahrgang 1985, ist von Geburt an blind. Nach dem Studium der Buchwissenschaft, Politik und Geschichte in Erlangen arbeitet sie seit 2011 an ihrer Dissertation zu Lesemotivation und Buchnutzung blinder Menschen. Daneben entschied sich die Autorin für eine Ausbildung zur Biographin. 2013 nahm sie für mehrere Wochenenden an einer Weiterbildung zur Künstlerischen Biographiearbeit teil (Schreibtherapie).

Mittlerweile bietet sie auch selber Seminare an, z. B. zum Marketing für Autoren.

2006 erschien ihr erstes Buch „Kathie“, das die ersten drei Episoden einer Fantasy-Serie enthält. 2010 konnte sie den Roman „Süßer Wahnsinn“. In den nächsten Monaten kommt ein Band mit Kurzgeschichten heraus.

Bereits 2014 konnte die Autorin zwei Kurzgeschichten veröffentlichen. Zusammen mit dem sehbehinderten Laufsportler Harald Lange schrieb sie 2014 außerdem das Buch „Willensstark“. Noch in diesem Jahr soll dort auch „Highway to Hell“, ein weiteres Buch über Harald Lange, erscheinen. Mehr Informationen: www.daniela-preiss.de

 


 

Aus dem Krieg in Syrien nach Deutschland

 

Wo Krieg herrscht, da sind Elend und Tod allgegenwärtig. Um sich und ihren Sohn in Sicherheit zu bringen, hat eine junge Mutter den langen Weg nach Deutschland auf sich genommen. Sie erzählt von ihrer Flucht und wie sie schließlich im Berufsförderungswerk Düren gelandet ist. Aufgezeichnet von Gunnar Roeder.

 

Mein Name ist Sarah*. Ich bin 26 Jahre alt und komme aus der schönen und geschichtsträchtigen Stadt Aleppo im Norden Syriens, wo ich eine sorglose Kindheit und Jugend verbrachte. An freien Tagen besuchte ich mit meiner Familie gerne die weltbekannte Zitadelle unserer Stadt und im Urlaub waren wir oft an der syrischen Mittelmeerküste, die wir in zweieinhalb Stunden mit dem Auto erreichen konnten.

 

Ich leide an einer Optikusatrophie, wodurch der Sehnerv angegriffen wird und meine Sehschärfe immer mehr nachlässt. Dennoch genoss ich eine gute Ausbildung. Der größte Wunsch meiner Mutter war, dass ich, wie sie, Ärztin werde. Doch ich zog es vor, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Auch weil ich nicht so viel arbeiten wollte wie meine Mutter, die sich Tag und Nacht um ihre Patienten kümmert.

 

Während meines zweiten Jahres an der Universität wurde ich ungewollt schwanger. Die Geburt meines Sohnes war jedoch nicht die einzige radikale Veränderung, die in meinem Leben im Sommer 2012 passierte. Der Ausbruch des Krieges fand beinahe parallel zu meiner Entbindung statt. Das Krankenhaus lag genau zwischen den Frontlinien.

 

Im Winter wurde es sehr kalt und plötzlich mussten wir auch auf Strom und fließendes Wasser verzichten. Um für mich und meine Familie Milch zu besorgen, machte ich mich regelmäßig auf den gefährlichen Weg in einen benachbarten Stadtteil, da es in unserem Viertel keine mehr gab. Eine einfache Strecke dauerte über eine Stunde. Ich musste mich im Schatten einer Häuserwand bewegen, um nicht ins Visier der Scharfschützen zu geraten. Überall sah ich tote Menschen. Es war schrecklich. Auch aus dem Turm der Moschee gegenüber meiner Wohnung, wo früher der Muezzin zum Gebet rief, zielte ein Gewehr auf uns. Häufig fielen Schüsse und manchmal schlugen Kugeln in die Wohnung ein. In dieser Zeit fehlte es an allem. Über meine Mutter bekam ich zumindest gelegentlich Zugang zu Medikamenten, um meinen Sohn zu versorgen, wenn er krank war. Die meiste Zeit fanden jedoch keinerlei Arzneien den Weg in die Stadt.

 

Gleichzeitig verschlechterte sich meine Augenerkrankung drastisch. Ich hatte häufig schreckliche Schmerzen und keine Medikamente, um sie zu lindern. Die Augenärzte waren entweder aus der Stadt geflohen oder von einer der Kriegsparteien entführt worden. Während ich es früher gewohnt war, mich ohne Angst und besondere Bekleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit zu bewegen, musste ich mich nun verschleiern und Handschuhe anziehen – in der Hoffnung, den strengen Bekleidungsvorschriften des Islamischen Staates zu entsprechen und nicht aufzufallen.

 

Die Situation war unerträglich und mir war klar, dass ich mein Heimatland verlassen musste. Doch wie sollte ich mich mit einem Baby auf den beschwerlichen Weg machen? Ich hatte von vielen Menschen gehört, die während der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben ließen. Hoffnung boten mir ein Cousin und ein Onkel, die bereits in Deutschland lebten. Sie versuchten, eine legale Ausreise für mich zu organisieren. Doch trotz ihres Engagements verlief der Prozess sehr langsam und ich spielte mit dem Gedanken, einen anderen Fluchtweg zu nehmen. Entschlossen, es wie viele andere über Griechenland zu versuchen, fuhr ich mit meinem Sohn in die Türkei. Der Weg ins türkische Gaziantep dauerte vor dem Krieg etwa dreieinhalb Stunden. Inzwischen waren es mehr als neun. Immer wieder wurde der Bus, mit dem wir gen Norden reisten, durch Kontrollposten der Kriegsparteien aufgehalten. Jedes Mal in der Ungewissheit, ob, wie und wann es weitergehen würde. Mein Junge, der unter der Hitze litt und schrie, dazu die Bilder von überfüllten Schlauchbooten in meinem Kopf, die auf den Wellen des Mittelmeers schaukelten – nein, dieser Weg war nicht meiner und so entschloss ich mich, wieder umzukehren.

 

Glücklicherweise bekam ich einige Monate später einen Termin in der Deutschen Botschaft in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Nach mehreren Besuchen und formellen Schwierigkeiten durfte ich schließlich nach Deutschland ausreisen. Leider konnte ich nicht sofort in Beirut ein Flugzeug nehmen, weshalb wir zunächst nach Aleppo zurückkehrten. Von dort aus machten wir uns erneut auf ins türkische Gaziantep und fuhren anschließend 1.200 Kilometer mit dem Bus nach Istanbul. Eine ermüdende Reise, die zwei Tage dauerte. Trotz der Anspannung schlief ich am Flughafen von Istanbul immer wieder vor Erschöpfung ein. Erleichterung verspürte ich erst, als unser Flugzeug in Köln landete. Dort nahm mich eine Freundin in Empfang und brachte mich nach Münster*, wo wir zunächst gemeinsam wohnten. Es war im Winter 2013/2014 schrecklich kalt in Deutschland und ich sprach die Landessprache nicht. Dennoch war ich überglücklich, endlich in Sicherheit zu sein.

 

Mittlerweile habe ich eine schöne Wohnung für mich und meinen Sohn gefunden und erhalte finanzielle Unterstützung vom Jobcenter. Um Deutsch zu lernen, besuchte ich zunächst einen Integrationskurs in Münster. Dort fühlte ich mich aber nicht wohl, denn die Lehrerin hatte kein Verständnis für meine Augenerkrankung und forderte mich immer wieder auf, Dinge zu lesen, die ich nicht erkennen konnte. Ein Professor der Universitätsklinik, an der ich medizinisch betreut wurde, machte mich auf das Berufsförderungswerk Düren aufmerksam. Ich vereinbarte einen Beratungstermin und erhielt über die Agentur für Arbeit die Kostenzusage für eine Maßnahme.

 

Seit diesem Sommer besuche ich einen Deutschkurs in einer Kleingruppe mit blinden und hochgradig sehbehinderten Teilnehmern. Der Kurs dauert zwölf Monate und gibt mir genügend Zeit, um die deutsche Sprache zu erlernen. Von den Mitarbeitern des Berufsförderungswerks erhalte ich viel Unterstützung bei der Bewältigung meiner Lebensführung. Ich bin mittlerweile lieber in Düren, wo ich die Woche über im Internat des Berufsförderungswerks wohne, als in meiner Wohnung in Münster. Auch meinem Sohn geht es in Düren sehr gut, wo er einen Kindergarten besucht. Natürlich ist der Krieg nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Er hatte in den ersten eineinhalb Jahren seines Lebens weder Spielkameraden noch Spielzeug und sah viel Unheil. Aber die guten Umstände, in denen wir uns heute befinden, tragen dazu bei, dass es ihm allmählich besser geht. Wenn ich mit dem Kurs fertig bin, möchte ich gerne eine Ausbildung im Berufsförderungswerk absolvieren. Es gibt einige interessante Möglichkeiten, etwa im Bürobereich, aber bisher habe ich mich noch nicht festgelegt.

 

Am Leben in Deutschland gefällt mir vieles. Die schönen Altstädte, die Weihnachtsmärkte, aber auch die Geschichte des Landes faszinieren mich. Bei einer Reise nach Berlin habe ich mir die Reste der Berliner Mauer angeschaut. Meine Erlebnisse in dieser toleranten und lebenslustigen Stadt passten so gar nicht zu der Vorstellung von Panzern und Stacheldraht, die die Stadt einst trennten. Das gibt mir Hoffnung für meine Heimat, denn einer meiner letzten Eindrücke aus Aleppo sind die Panzer vor unserem Haus.

 

Ich denke häufig an meine Heimat und sehne mich nach meiner unbeschwerten Kindheit im Kreise meiner Familie zurück. Ich vermisse den Blick von der Zitadelle auf die Altstadt von Aleppo in der Zeit vor dem Krieg. Die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe – genauer gesagt, gehörte, denn sie ist heute weitgehend zerstört.

 

 

*Personen- und Ortsnamen von der Redaktion geändert

 

Quelle: Auszug aus der „Gegenwart“, Verbandsmagazin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DSBV)

 


 

Eine Stunde unterwegs als Mensch mit „Sehbeeinträchtigung“

 

Brigitte Koerfer, Mitarbeiterin des Integrationsfachdienstes Sehen mit dem Projekt IcoSir, berichtet von ihren Eindrücken. [mehr]

 


 

Eine einzigartige Ausstellung zum Sehen und Fühlen

 

Auf der Hauptburg von Schloss Burgau präsentieren die Stadt Düren und das Berufsförderungswerk Düren nunmehr gemeinsam eine Ausstellung mit dem Künstler Franz Anton Lenze, der mit Legosteinen Objekte erstellt. [mehr]

 


 

Landtagsabgeordnete informierten sich über das Projekt „Priamos“

 

Die drei NRW-Landtagsabgeordneten Rolf Seel, Josef Wirtz und Klaus Voussem informierten sich im BFW Düren eingehend über spezielle Sehhilfen, die es auch vielen sehbehinderten Menschen ermöglicht, den Führerschein zu erwerben, wie dies in den Niederlanden gegeben ist. [mehr]

 


 

 

Schummer: „Das neue Teilhabegesetz muss Maß nehmen am Menschen“

 

CDU-Beauftragter für Menschen mit Behinderungen besuchte das BFW Düren

 

Kreis Düren. Er war nicht zum ersten Mal im Berufsförderungswerk Düren, aber zum ersten Mal in seiner neuen Funktion als Beauftragter der  CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Menschen mit Behinderungen: der Bundestagsab-geordnete Uwe Schummer aus Viersen. Er wollte sich für das geplante neue Bundesteilhabegesetz Anregungen aus der Praxis holen. [mehr]

 


 

Kunstobjekt im Foyer

 

Der Künstler Günter Kamolz aus Leverkusen stellt dem Berufsförderungswerk Düren für ein halbes Jahr sein Kunstobjekt „Kommunizieren auf höherem Niveau“ als Leihgabe zur Verfügung. [mehr]

 


 

Michael Mohr: dauerhaft integriert

 

Zum Tag der Sehbehinderten am 6. Juni 2014 porträtierten die Dürener Nachrichten den ehemaligen Rehabilitanden Michael Mohr, der seit 15 Jahren beim Unternehmen Heimbach in Düren arbeitet. [mehr]

 


 

Anka Zink hatte die Lacher wieder einmal auf ihrer Seite 

 

Volles Haus im Berufsförderungswerk Düren. [mehr]

 


 

Besuch des Europäischen Parlamentes 

 

Angehende Verwaltungsfachangestellte, die derzeit in unserem Berufsförderungswerk ihre Ausbildung absolvieren, hatten jetzt Gelegenheit, das Europäische Parlament in Brüssel zu besuchen. [mehr]

 


 

Auszeichnung für Monika Borgetto 

 

Monika Borgetto, die am Berufsförderungswerk Düren ihre Ausbildung zur  Bürofachkraft mit sehr gut bestanden hatte, wurde auf einer Veranstaltung der IHK Aachen im Industriemuseum „Zinkhütter Hof“ in Stolberg vom Vizepräsidenten der IHK, Dr. Stefan A. Kufferath-Kassner, besonders ausgezeichnet. [mehr]

 


 

Neuen Ausbildungsgang "Servicekraft am Telefon" erfolgreich abgeschlossen 

 

Düren. Im Berufsförderungswerk Düren konnten jetzt erstmals fünf Rehabilitanden ihre Ausbildung zur „Servicekraft am Telefon“ erfolgreich mit einem IHK-Abschluss beenden. [mehr]

 


 

Schüler erkennen die Gefahren

 

Sehbehinderte und blinde Rehabilitanden des Berufsförderungswerks schildern Schülern des Burgau-Gymnasiums ihre Probleme im Alltag. Gymnasiasten fahren nicht mehr mir dem Rad über das BFW Gelände. [mehr]

 


 

Info-Veranstaltung zur Netzhautprothese

 

Eine interessante Veranstaltung findet am Mittwoch, 7. Mai, um 15:00 Uhr im Berufsförderungswerk Düren statt. Second Sight Medical Products informiert über das Argus II Netzhautprothesen-System.

 

Dieses System ist die erste CE und FDA zugelassene Behandlungsmethode für Patienten mit Retinitis Pigmentosa in fortgeschrittenem Stadium. Betroffene Patienten sind Personen mit Retinits Pigmentosa, aber auch Chorioideremie, Usher-Syndrom, Zapfen-Stäbchen-Dystrophie, Bardet-Biedl-Syndrom so wie Lebersche kongenitale Amaurose.

 

Im Rahmen dieser Informationsveranstaltung wird zusammen mit Dr. Schimitzek vom Uniklinkum Aachen ein Überblick über das Argus II Netzhautprothesen-System gegeben. Die Veranstaltung richtet sich an Patienten, deren Familien und Begleitpersonen, Augenspezialisten, und an alle Interessenten, die sich über das Argus II System informieren wollen.

 


 

Sabriye Tenberken beeindruckte im BFW als große Mutmacherin 

 

Ihr Lebensmotto: „Blind zu sein, ohne behindert zu werden“

 

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v. l. Abteilungsleiter Christoph Granrath, Sabriye Tenberken und BFW-Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig

Foto: Ina Nordenfels-Neumann

 

Düren. In den nächsten Wochen wird sie in den USA an den verschiedensten Orten viele Vorträge über ihr neues Projekt „KANTHARI“ in Indien halten. Umso erfreuter waren Mitarbeiter und Rehabilitanden des Berufsförderungswerkes Düren, dass Sabriye Tenberken vorher noch einen Abstecher in die Rurstadt machte. „Das Recht blind zu sein, ohne behindert zu werden“ ist Lebensmotto und zugleich Antriebskraft für die beeindruckende Persönlichkeit, die trotz ihrer Erblindung in jungen Jahren ihren Weg gegangen ist. Und somit zeigte sie sich im BFW auch als Mutmacherin, die weiß, was trotz einer Seherkrankung möglich ist. „Behinderungen machen erfinderisch. Man muss den Mut haben, die eigenen Grenzen auszutesten“, so Sabine Tenberken.  

Seit ihrem zwölften Lebensjahr ist sie aufgrund einer Netzhauterkrankung völlig blind. Dies hinderte sie allerdings nicht daran, Abitur zu machen und in Bonn Tibetologie, Soziologie und Philosophie zu studieren. Ihre Liebe zu Tibet ging soweit, dass sie eine spezielle Brailleschrift für die tibetische Schriftsprache entwickelte, die inzwischen zur offiziellen Blindenschrift für Tibetisch wurde.

 

1997 reiste sie denn auch allein nach Tibet, wo sie zusammen mit dem Niederländer Paul Kronenberg das Blindenzentrum Tibet in Lhasa gründete. Nicht zuletzt aufgrund des Dokumentarfilms „Mit anderen Augen“ über ihr Leben und ihre Arbeit wurde sie mit dem Charity-Bambi ausgezeichnet. An Auszeichnungen im In- und Ausland, ob in Berlin, der Schweiz, Holland oder China hat sich Sabriye Tenberken in den letzten Jahren gewöhnen müssen.

 

Sie ist aber auch eine außergewöhnliche Frau, die nach den langen Jahren in Tibet nun ihren Lebensmittelpunkt in Indien hat und dort das neue Projekt „KANTHARI“, abgeleitet von der kleinen, scharfen Chilli-Schote, in Angriff genommen hat.

 

Behinderte Menschen aus aller Welt, „die Feuer haben und Mut“, so Sabriye Tenberken, werden dort in einem siebenmonatigen Intensivkurs, z.B. in Projektmanagement, Fundraising und öffentlichem Auftreten so ausgebildet, dass sie als Führungspersönlichkeit in der Lage sind, in anderen Ländern Kampagnen und Projekte für behinderte Menschen zu initiieren und umzusetzen. Und lebhaft wusste sie von vielen erfolgreichen Menschen und Projekten zu berichten, getreu ihrem Motto: „Braille without Borders – Braille ohne Grenzen.“

 

Veranstaltung: Januar 2014

 


 

Guildo Horn besuchte das BFW 

 

Im Rahmen der Aktion „Für mehr Miteinander in Bus und Bahn „ versetzte sich Entertainer Guildo Horn auch in die Lage eines blinden Menschen. Er ließ sich von Mobilitätstrainerin Meike Berger, mit hinzunahme einer Dunkelbrille vom Bus in das BFW leiten. [mehr]

 


 

Rachel: "Menschen im Bildungsprozess ganzheitlich sehen"

 

Staatssekretär lobte das neue EU-Projekt des Berufsförderungswerkes Düren. [mehr]

 

 


 

Trotz Sehbehinderung voll im Einsatz

 

Christian Philipps musste seinen Job als Elektriker wegen einer Sehbehinderung aufgeben. Er gab sich selbst nicht auf, schulte zum Verwaltungsfachangestellten um und arbeitet heute in der Verbandsgemeinde (VG) Bernkastel-Kues.

 

Christian Philipps

Mit wenig Aufwand trotz Sehschwäche voll im Dienst: Christian Philipps an seinem Arbeitsplatz in der Verbandsgemeinde – ganz links sieht man die Vergrößerungskamera für Schriftstücke.  

TV-Foto: Claudia Szellas

 

Bernkastel-Kues. Christian Philipps hat auf dem einen Auge noch zehn bis zwanzig Prozent Sehfähigkeit und auf dem anderen noch 40 bis 50 Prozent. "Es war ein Unfall als Zwölfjähriger beim Spielen, der mich einen Teil meines Augenlichts kostete", berichtet der 37-jährige Wehlener. Verätzungen durch ungelöschten Kalk waren die Ursache. Dennoch absolvierte er eine Lehre als Elektriker und arbeitete in dem Job, so lange bis er vor 13 Jahren seine Arbeit nicht mehr ausüben konnte. Es folgte erst Arbeitslosigkeit, dann die Frühberentung. Aber, sagt Philipps: "Ich wollte wieder berufstätig sein."

 

 

Für beide Seiten ein Gewinn


Er machte zunächst ein Praktikum in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Hieraus entstand die Möglichkeit, eine Ausbildung als Verwaltungs-fachangestellter zu absolvieren. Gudrun van Brandwijk, zuständig für Ausbildungen bei der VG, unterstützte Philipps: "Er hat gezeigt, dass er hier arbeiten und dafür lernen wollte. Wir sind sehr froh, dass wir Herrn Philipps haben. "Das war zunächst gar nicht so einfach. Philipps kam auf die Regelschule in Daun. Jedoch war für ihn mit seiner Sehbehinderung die Belastung zu groß, die Noten fielen in den Keller. Eine Lösung musste her - die wurde mit dem Berufsförderungswerk (BFW) in Düren/Nordrhein-Westfalen gefunden. Das Zentrum für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen schult jährlich gut 200 Menschen um. "Wir sind speziell auf die Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten eingerichtet", erläutert Karl-Albert Eßer vom BFW. Der Fall Christian Philipps sei dabei vorbildlich: "Hier hat ein Arbeitgeber jemanden mit einer Behinderung eingestellt, ihn ausgebildet. Das ist uns in den vergangenen 30 Jahren genau noch ein weiteres Mal vorgekommen. Und hier kann man sehen: Für beide Seiten ist das ein Gewinn."
 

Geschätzte 150 000 Blinde oder Sehbehinderte gibt es in Deutschland. Das BFW bildet dabei nicht nur aus, sondern vermittelt auch - bei etwa 70 Prozent liegt die Quote.
 

Was ist am Beispiel Philipps so besonders? "Wir haben hier länderübergreifend eine Ausbildung auf Verwaltungsebene erwirkt, und es hat bestens funktioniert", so van Brandwijk.
 

Die praxisorientierte und auf seine Sehschwäche eingestellte Ausbildung schloss Philipps als Drittbester des Kurses in Nordrhein-Westfalen ab. Heute ist er in einer Ordnungsbehörde in Rheinland-Pfalz tätig. Mit wenigen Hilfsmitteln kann der leidenschaftliche Feuerwehrmann und Tauchfan problemlos arbeiten: "Ich habe ein PC-Vergrößerungsprogramm und ein Kameralesegerät, mit dem ich Schriftverkehr gut erkennen kann." Philipps trägt zudem eine Baseballkappe: "Für mich ist das kein modisches Accessoire, sondern ein Schutz gegen die Sonnenstrahlen."


volksfreund.de, 05. November 2013

 


Gute Nase fürs Kochen

Sehbehinderter macht Ausbildung bei der Schwarz Gastronomie

 

Angelo Vocale (re.) begleitet den 19-jährigen Norman

von der Weydt bei seiner Ausbildung bei der

Schwarz Gastronomie.

 

Norman von der Weydt ist sehbehindert. Doch das schärft andere Sinne. Nun hat der 19-Jährige bei der Schwarz Gastro Group (FSGG) eine Ausbildungs-stelle als Koch gefunden.

 

Mit ihm beschäftigt die FSGG fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Handicap. Ebenfalls neu im Team ist Sophia Kasselmann. Die 19-Jährige hat ihre Aus-bildung zur Veranstaltungskauffrau begonnen. In den letzten Wochen und Monaten hat der 19-Jährige Norman von der Weydt viele Bewerbungen geschrieben. „Ich habe mich vor allem über Betriebe geärgert, die überhaupt nicht geantwortet haben“, erinnert sich der Duisburger. „Andere haben nett umschrieben, dass sie einen Auszubildenden mit Handicap nicht akzeptieren.“

 

Als Sprössling einer kochaffinen Familie hat Norman beste Voraussetzungen, in seinem Traumberuf Fuß zu fassen. „Mein Vater ist Küchenchef. Kochen ist mein Ding.“ Nach dem Vorstellungsgespräch und einem Probearbeitstag stand für beide Seiten fest: Norman hat seinen Ausbildungsplatz sicher. „Bei sehbe-hinderten oder gehörlösen Menschen ist die Kommunikation innerhalb der Küche sehr wichtig“, weiß Küchenmeister Angelo Vocale. „Aber als angehender Koch hat Norman klare Vorteile, denn sein Geschmacks- und Geruchssinn ist bei ihm viel ausgeprägter als bei anderen.

 

Er hat das Zeug dazu, ein guter Koch zu werden. “Damit alles reibungslos klappt, arbeitet das Unternehmen sehr eng mit dem Jobcenter Duisburg und dem Integrationsdienst des Landschaftsverbandes Rheinland zusammen.

 

„Für mich ist es eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit, Menschen mit Handicap eine berufliche Zukunft zu bieten“, meint FSGG-Geschäftsführer Schwarz.

 

WAZ

ARBEIT & SOZIALES DUISBURG, Mittwoch, 9. Oktober 2013

 

 


Auszeichnung für Auszubildende

 

Elisa Siepmann, Auszubildende im Bereich Mediengestaltung bei der Firma ARTiSchock advertising Aachen und vom Berufsförderungswerk Düren betreut, erhielt auf der Reha-Care aus den Händen von NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider den VdK-Preis „vilmA“, mit dem die besten acht Auszubildenden mit einer Behinderung ausgezeichnet wurden...

 

       
 
 

 

500 Kilometer durch Kambodscha

 

Laura Offenhäußer und Eva Schmalen versetzen sich für ihr Projekt in die "Sicht" von Blinden

 Datei: projektkambodscha.pdf
 

 

 

Sonjas Prinzen sind nicht von der Rolle

32 Teams beim Beach-Volteyballturnier des BFW...

 Datei: sonjasprinzen.pdf
 

 

 

Großer Fußball und packende Torszenen

Schirmherr Wilfried Hannes: "Was ich heute gesehene habe, was großer Fußball"

 Datei: packendetorszenen.pdf
 

 

 

„Die Mama hat kranke Augen“

 

Die Geschichte von Nicole Z. ist eine Geschichte, die zeigt, dass sich das Leben sehr schnell ändern kann - für immer ...

mehr »

 

Artikel der Dürener Nachrichten vom 14.06.2013.

 

 


Wieder am Leben teilnehmen

 

Das Berufsförderungswerk Düren kennt Mittel und Wege blinden und sehbehinderten Menschen zu helfen.

Artikel der Dürener Zeitung vom 12.01.2013 mit freundlicher Genehmigung
 Datei: dzartikelkoch.pdf
 

 


In einer Feierstunde blickte das Berufsförderungswerk Düren auf „25 Jahre Verwaltungsausbildung“ zurück.

 

Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig und der zuständige Teamleiter Leo Goll konnten dazu eine Vielzahl von Gästen begrüßen. Dazu zählten neben Dürens Bürgermeister Paul Larue vor allem viele ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer von früheren Verwaltungslehrgängen.

 

Nachfolgend ein Paar Bilder von der Veranstaltung

 

 
 
 

Ministerium sieht Bfw Düren nicht gefährdet 

 

Staatssekretär Ralf Braucksiepe besucht das Berufsförderungswerk in Düren. Er lobt dessen Spezialisierungsgrad als Alleinstellungsmerkmal.

 

Von Fred Schröder

 

Düren. Informationen aus erster Hand zur beruflichen Wiedereingliederung Blinder und Sehbehinderter hat sich der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Dr. Ralf Brauksiepe, bei einem Besuch im Berufsförderungswerk Düren verschafft. „Dieses Bfw mit seinem hohen Spezialisierungsgrad hat eine Art Alleinstellungsmerkmal“, betonte Braucksiepe, der auch Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in NRW ist. „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Ist er eingegliedert, benötigt er keine Hilfe mehr.“

Im Rahmen seiner Sommertour stattete der CDA-Landeschef zum zweiten Mal dem Zentrum für die berufliche Bildung Blinder und Sehbehinderter an der Karl-Arnold-Straße einen Besuch ab. Er sei Stadt und Kreis Düren eng verbunden, nicht zuletzt sei einer seiner Vorgänger im Amt mit Wolfgang Vogt ein Dürener gewesen und mit dem CDA-Bezirksvorsitzenden Karl-Albert Eßer, der Mitarbeiter des Bfw ist, verbinde ihn eine langjährige Freundschaft. Vom Bfw-Geschäftsführer Dr. Hans-Joachim Zeißig und den Abteilungsleitern Dr. Inge Jansen und Christoph Granrath ließ sich der Gast durch Ausbildungsbereiche und auch das sportliche Angebot führen. „Die Eindrücke, die ich bei meiner Sommertour gewinne, sind Mosaikstücke“, so der Staatssekretär. Er hörte sich auch die Sorgen an, die die Bfw-Leitung trotz guter Ergebnisse der Eingliederung hat. So hat die Bürokratie beispielsweise Ausschreibungskriterien formuliert, die eine Spezialeinrichtung für Blinde und Sehbehinderte alleine schon von der Personenzahl nicht erfüllen kann. Trotz aller Hilfen, sagte Braucksiepe, seien auch in der beruflichen Rehabilitation und ihrer Einrichtung Abstriche nötig. „Für 2,8 Millionen Personen brauche ich weniger Infrastruktur als für 5,2 Millionen“. Allerdings ließ er keinen Zweifel daran, dass das Bfw Düren in seiner Existenz nicht gefährdet sei. Es habe eine Art Alleinstellungsmerkmal.

 

„Dieses Bfw mit seinem hohen Spezialisierungsgrad hat eine Art Alleinstellungsmerkmal.“

Dr. Ralf Braucksiepe, Bundesarbeitsministerium

 

Fr, 20. Jul. 2012
Dürener Zeitung / Lokales / Seite 13

veröffentlicht mit Genehmigung

 

 


 

Die Schicksale hinter den Zahlen 

 

Im Berufsförderungswerk Düren werden seit 25 Jahren blinde und sehbehinderte Menschen zu Verwaltungsfachangestellten ausgebildet. „Feste Größe geworden.“ Jubiläumsfeier am 30. Juni.

 

Von Fred Schröder

 

Düren. Nicht ohne stolz spricht man im Berufsförderungswerk Düren (Bfw) von einer Erfolgsgeschichte. Seit 25 Jahren werden im Zentrum für die berufliche Bildung Blinder und Sehbehinderter Personen mit Sehschäden zu Verwaltungsfachangestellten mit viel Erfolg ausgebildet oder umgeschult, in enger Kooperation mit dem Studieninstitut für kommunale Verwaltung Aachen, das sich aus den Kreisen Düren und Heinsberg, der kreisfreien Stadt Aachen und der Städteregion Aachen rekrutiert. Dieses Institut stellt seit Beginn der Maßnahmen im Berufsförderungswerk ehrenamtliche Dozenten.

 

Hohe Vermittlungsquote

 

„Wir haben eine Vermittlungsquote von um die 80 Prozent“, sagt Leo Goll, Team-Leiter im Bfw. Er ist mit der beruflichen Eingliederung der Absolventen sehr zufrieden. Wie er sehen auch Peter Rubel und Peter Kaptain von der Kreisverwaltung Düren dem im Juli beginnenden 25. Lehrgang mit Optimismus entgegen.

 

Geboren wurde die Idee der Schulung Sehbehinderter und Blinder zu Verwaltungsangestellten Mitte der 80er Jahre. Man war auf der Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten als Alternativen zum damals recht überschaubaren Bildungsangebot für den Personenkreis Sehgeschädigter. Der damalige Bfw-Direktor Siegfried Wiedenlübbert und Ausbildungsleiter Reinhold Deneke wagten den Schritt und fanden einen kompetenten Partner im Kommunalen Studieninstitut, das unter der Regie von Günter Palm die Dozenten stellte. Auch die damalige Bundesanstalt für Arbeit mischte kräftig mit, so dass 1988 mit dem ersten Lehrgang begonnen werden konnte. Nach entsprechenden Vorbereitungslehrgängen von in der Regel sechs Monaten Dauer gingen zwischen acht und zwölf Teilnehmer in die 24-monatigen Lehrgänge. Die Absolventen, die aus unterschiedlichen Berufen kamen, überzeugten in ihren neuen Tätigkeiten, so dass der Ausbildungsgang zum ständigen Schulungsangebot wurde.

 

Mehr noch: Aus den gewonnenen Erkenntnissen ergaben sich weitere Perspektiven. So wurden Angestellten-Lehrgänge I und II (Verwaltungsfachwirt) für bereits im Öffentlichen Dienst beschäftigte Sehgeschädigte als Fortbildungs- und Weiterbildungsqualifikation eingeführt. Letztlich kam noch eine mit dem Innenministerium NRW abgestimmte Qualifizierungsmaßnahme dazu, in der Behinderte speziell für den Dienst in der Landesverwaltung ausgebildet werden.

 

„Die Verwaltungsausbildung ist eine feste Größe geworden“, stellt Peter Kaptain fest. Bis Monatsende ist er noch Verbandsvorsteher des Kommunalen Studieninstituts und weiß aus eigener Erfahrung, dass die Ausbildung auch für die Dozenten eine Herausforderung bedeutet. Rund 200 Absolventen der Verwaltungsausbildung und weitere 140 Teilnehmer anderer Maßnahmen sind eingegliedert. „Hinter diesen nüchternen Zahlen stehen viele positive menschliche Schicksale“, sind sich Bfw-Verantwortliche und Dozenten einig. Am Samstag, 30. Juni, wird im Bfw ab 10.30 Uhr das „Silber-Jubiläum“ der Verwaltungsausbildung mit einem Rückblick in Gesprächsrunden, an denen ehemalige Teilnehmer und Dozenten teilnehmen, und der Erörterung von Zukunftsperspektiven gefeiert.

 

Sa, 23. Jun. 2012
Dürener Zeitung / Lokales / Seite 17

 

 


Das Berufsförderungswerk Düren im WDR Aachen auf Video

 

Zum herunterladen die Datei bitte anklicken...
 Datei: videowdr.flv
 

 


 

Partnerschaftsprojekt mit dem Bulgarischen Innenministerium 

 

Theorie und Praxis der Integration von Menschen mit Behinderung

 

Im Rahmen des Partnerschaftsprojekts zur Optimierung des Personalmanagementsystems konnte sich die Delegation des bulgarischen Innenministeriums in der Woche vom 25. bis 29. Juni 2012 einen umfassenden Überblick über den Themenschwerpunkt der Integration von Menschen mit Behinderung verschaffen. Neben den rechtlichen Grundlagen, die insbesondere von Frau Birgit Kruse (Referat I A 1a), einem Referenten der Stadt Köln, Herrn Günter Rittinger und der Vertreterin des Integrationsamtes Frau Kirsten Wöhlecke vermittelt wurden, ging es insbesondere darum, auch praktische Beispiele der Integration von Menschen mit Behinderung vorzustellen.

 

So konnten die bulgarischen Gäste, auf Vermittlung von Herrn Ingo Paefgen, das Berufsförderungswerk für Blinde in Düren besuchen. Dort wurde Ihnen unter Leitung von Frau Dr. Inge Jansen, der dortigen Abteilungsleiterin, ein unmittelbarer Eindruck über den Alltag sowie die Möglichkeiten zur beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung vermittelt.

 

 

Auszug aus: Intranet des Bundesverwaltungsamtes, veröffentlicht am 5. Juli 2012

 

 


1 deutscher Blindenfußballspieler "kämpft" sich durch 3 französische Spielgegner.

 

Foto und Bericht von Fred Schröder

 

Düren. Nein, das ist kein Sport für Chorknaben. Kämpferisch und hart Mann gegen Mann kann Blindenfußball sein. Diesen Eindruck gewannen die wenigen Zuschauer, die am Samstag auf dem Gelände des Berufsförderungswerkes Zeugen der Einweihung des Kunstrasenplatzes und des ersten internationalen Blinden-Fußballturniers in der Kreisstadt wurden.

«Wir wünschen uns, dass dieser Platz noch viele Spiele, Sportveranstaltungen und Lehrgänge erleben wird», drückte Dr. Hans-Joachim Zeißig die Hoffnung aus, dass sich die 130.000-Euro-Investition künftig als gute Investition erweisen wird. «Wir würden uns freuen, wenn wir hier auch einmal ein Spiel der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft ausrichten könnten».

Mit Michael Wahl vom PSV Köln stand bereits zur Eröffnung ein Nationalspieler auf dem Platz. Neben ihm begrüßte Dr. Hans-Joachim Zeißig bei einem Festabend die sehbehinderte Judo-Paralympic-Medaillengewinnerin Astrid Arndt sowie den Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport, Dr. Volker Anneken. Der Dank des Bfw-Geschäftsführers galt darüber hinaus insbesondere den Sponsoren, ohne deren finanzielle Unterstützung die 130.000-Euro-Sportanlage nicht hätte erstellt werden können.

Den ersten Anstoß führte Christoph Granrath aus. Der 2. Vorsitzende des RBSSV Düren und im Berufsförderungswerk Düren unter anderem als Koordinator für das Sportangebot zuständig, hatte mit seinem Team die Veranstaltung organisiert. «Dieses Wetter ist nun wirklich nicht verdient», äußerten sich mitleidig die wenigen Zuschauer.

Wer gekommen war, erhielt einen Einblick, mit welchem Einsatz die Akteure zu Werke gingen. Harte Zweikämpfe an den Banden, teilweise verblüffende Spielzüge und größtenteils unbeabsichtigte Zusammenstöße der Spieler ließen keine Langeweile aufkommen. Interessant, mit welchen Hilfen die Blinden Fußball spielen. Die Rassel im Ball gibt akustisch dessen Position an.

Der angreifende Spieler muss sich mit dem Ruf «Voi» ankündigen. «No Voi» entschieden die Schiedsrichter auf Freistoß, wenn diese Grundregel missachtet wurde. Und beim «Elfmeter» geben die Betreuer Hilfestellung: Sie klopfen an die Torpfosten, damit der Schütze weiß, wo rechts und links ist. Nicht wenige Spieler orientieren sich vor Spielbeginn über den Platz. Sie laufen an der Hand des Betreuers die Maße des Platzes ab und prägen sich ein, wo die Tore stehen.

Die ausländischen Mannschaften aus Brünn (Tschechien) und Saint Mandé (Frankreich) demonstrierten, dass in ihren Heimatländern der Blindenfußball qualitativ schon weiter ist. Auch die Spieler vom RBSSV Düren mussten im Einlagespiel gegen die Blindsoccer Essen mit einer Niederlage Lehrgeld zahlen. Das Turnier gewann die Mannschaft aus Köln durch 1:0 im Penalty-Schießen gegen die Franzosen.

Vorbereitung zum Torschuss eines französischen Blindenfußballers auf das Tor der deutschen Spielgegner.

 

Veröffentlicht in der Dürener Zeitung am 08. Mai 2012

 

 



 

Berufliche Persptktive in der Landesverwaltung 

 

Am 27. April überrreichte Innenminister Ralf Jäger im Ministerium für Inneres und Kommunales sechs Teilnehmern der Landesqualifizierungsklasse LQ 15 die Abschlusszeugnisse.

Seit nunmehr 15 Jahren bildet das Land NRW arbeitslose Menschen mit Behinderung auf der Ebene Verwaltungsangestellte/r aus. Dies ist bundesweit einzigartig.

Acht Monate dauert der Fortbildungslehrgang im Berufsförderungswerk Düren. Bisher fanden über 80 Absolventinnen und Absolvernten eine neue berufliche Perspektive auf einer unbefristeten Stelle in der Landesverwaltung von Nordrhein-Westfalen.

Die Landesqualifizierungsmaßnahme ist ein Erfolgsmodell, wie Innenminister Jäger feststellte, und soll auch künftig weiter erhalten bleiben.

 


 

Zwei Herren im Vordergrund. Das Berufsförderungswerk Düren im Hintergrund.

 

Foto und Bericht: Stefan Johnen

 

Düren. Nicht zum ersten Mal besuchte der Behindertenbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Norbert Killewald (rechts), das Berufsförderungswerk Düren (Bfw). Im Mittelpunkt des Gesprächs mit Bfw-Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig (links) und dessen Kollegen standen die Eingliederungschancen von blinden und sehbehinderten Menschen in den Arbeitsmarkt. Erfreut zeigte sich Killewald von der Entwicklung, dass auch immer mehr ältere Menschen mit einer Seheinschränkung wieder eine Beschäftigung finden - nicht zuletzt mit Hilfe der Maßnahme "Integration Sehgeschädigter in den Beruf", die im Bfw angeboten wird. Zudem wurde erörtert, inwieweit eine verstärkte Weiterbildung mit "E-Learning" (Lernen mit elektronischen Arbeitsmaterialien und Hilfsmitteln) zum Arbeitsplatzerhalt beitragen kann.

 

veröffentlicht in der Dürener Zeitung, Donnerstag, 5. April 2012

 


 

Seminarangebot für Referenten, Pädagogen, Korrespondenten und Rhetoriker.

 

Das Berufsförderungswerk Düren lädt Sie zur Teilnahme am Seminar „Stimmschonendes Sprechen - Sprechtechnik und Feldenkrais - Methode” ein. mehr>>
 

 


 

Susanne Schmitz weiß, wie die Welt aussieht...

 

...nur hat sie erst spät erfahren, dass sie sie anders wahrnimmt, als die meisten ihrer Mitmenschen. Die 29-Jährige leidet an Retinitis Pigmentosa, einer erblichen Krankheit, die einen Menschen Schritt für Schritt seines Augenlichtes berauben kann. Dieser Prozess hatte bei Susanne Schmitz schon begonnen, als sie ihre Ausbildung zur Bankkauffrau machte. Die Erkrankung hinderte sie nicht daran, die Prüfung für einen Motorrollerführerschein abzulegen. Dass sie schon damals nur noch ein eingeschränktes Gesichtsfeld hatte und ihre Augen und ihren Kopf weitaus mehr bewegen musste, um etwas zu erfassen, ist niemandem aufgefallen. Am wenigsten der jungen Frau selbst. „Ich weiß doch nicht, wie die andere Menschen die Welt sehen“, sagt sie. Für sie war es normal, manche Dinge aus bestimmten Blickwinkeln eher als Umrisse zu sehen. Erst als sie ihren Pkw-Führerschein machen wollte, fiel anderen auf, dass etwas nicht stimmt. Die Diagnose des neuen Augenarztes bekam sie kurz vor ihrem 18. Geburtstag gestellt. Sie wusste nun mit beängstigender Sicherheit, dass nicht ihre selbst attestierte Schusseligkeit der Grund dafür war, dass sie schon einmal über viele Dinge im Alltag stolperte.

Susanne Schmitz ist mit ihrer Geschichte nicht allein. Und sie wird mit ihrem Schicksal auch nicht alleingelassen. Im Berufsförderungswerk Düren (BFW) fand sie Hilfe und Unterstützung. Das BFW ist eines von vier Beratungs- und Bildungszentren der beruflichen Rehabilitation blinder und sehbehinderter Erwachsener in Deutschland. Gegründet wurde es 1977, getragen wird die Einrichtung zur Hälfte Verein Nordrhein-Westfälisches Berufsförderungswerk und vom Rheinischen Blindenfürsorgeverein 1886 Düren. Vorläufer war die 1960 gegründete Umschulungsstätte für Späterblindete in der Kreisstadt. Dort sind seit dem 19. Jahrhundert viele Einrichtungen für Blinde und Sehbehinderte entstanden. Das Dürener BFW ist zuständig für NRW, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und das Saarland.

Aufgrund der Entfernungen, die die Rehabilitanden zurücklegen müssen, ist der Alltag samt Vollpension organisiert: Wer im Berufsbildungszentrum aus- und fortgebildet wird, wohnt dort in einem der 200 vorhandenen Einzelzimmer. Werkstätten, Ausbildungsräume und Freizeiteinrichtungen sind ebenfalls auf dem Gelände am Rande des Stadtwaldes vorhanden. Tausende Menschen haben die Dienstleistungen des BFW bereits in Anspruch genommen: von der Beratung zur Sicherung des bestehenden Arbeitsplatzes über eine völlig neue Ausbildung bis hin zur konkreten Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. „Das Wichtigste ist, dass die Betroffenen nicht erst monatelang oder jahrelang krankgeschrieben sind, sondern frühzeitig Klarheit haben, ob sie ihren bisherigen Beruf – mit entsprechenden Hilfsmittel – weiter ausüben können oder eine berufliche Umschulung notwendig ist“, erklärt Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig.

Bei Susanne Schmitz bestand recht schnell Klarheit über ihre Zukunft. „Ich bin so etwas wie die Einäugige unter den Blinden“, sagt die 29-Jährige und ringt sich ein Lächeln ab. Susanne Schmitz hat sich ihrem Schicksal gestellt, sie will ihr Leben mit Krankheit und schwindendem Sehvermögen meistern. Eine Umschulung zur Verwaltungsfachangestellten hat sie bereits erfolgreich gemeistert. Seit Monaten bereitet sie sich mit den Trainern, Therapeuten und Pädagogen des BFW für einen neuen Lebensabschnitt vor: Sie hat die Blindenschrift gelernt, sie weiß, wie man sich in der eigenen Wohnung und mit dem Stock auf der Straße orientiert, sie wird auch in Zukunft ihre Selbstständigkeit weitgehend erhalten können, auch mit schwindendem Augenlicht. „Ich sehe heute noch Umrisse, Schatten, Lichter und Effekte“, erklärt die 29-Jährige. Wie lange noch, weiß sie nicht, der Krankheitsverlauf ist nicht berechenbar. Fünf Jahre habe bei ihr Ruhe geherrscht, „dann kam ein Schub“.

„Es gehört viel Mut dazu, sich dem eigenen Schicksal zu stellen“, weiß BfW-Teamleiterin Ingrid Korioth. Es sind keine Geburtsblinden, die beim BFW Hilfe suchen. Die zu einer Erblindung oder zur Verminderung des Sehvermögens führenden Krankheiten wurden bei den Rehabilitanden erst spät diagnostiziert oder traten während des Erwerbslebens ein. „Viele Menschen gehen erst dann zum Arzt, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind“, sagt Ingrid Korioth. Manche Betroffene hätten auch bei einem Unfall das Augenlicht verloren. Sie wachten im Krankenhaus auf – und es herrscht Nacht, auch am helllichten Tag. Der (teilweise) Verlust des Augenlichts ist ein drastischer Einschnitt in jedes Leben. Er kann das Leben aus den Fugen geraten lassen. „Viele Menschen sind verzweifelt und denken, sie stünden vor dem Nichts“, sagt die Psychologin. Zum Gefühl der Hilflosigkeit gesellen sich oft Wut, Trauer und Ärger. Ein Zustand, der manchmal Jahre andauern könne. Ingrid Korioth: „Wir wollen ihnen helfen, wieder am sozialen und beruflichen Leben teilhaben zu können.“ Dazu gehört auch eine qualifizierte psychologische Begleitung.

Am Anfang jeder Rehabilitation steht die Beratung. Was können Krankenkassen leisten, was die Agentur für Arbeit, welche Möglichkeiten der Selbsthilfe gibt es? „Das Motto lautet: ‚Reha vor Rente’“, sagt Karl-Albert Eßer, zuständig für Geschäftspolitik und Kommunikation beim BFW. Hat der Betroffene noch eine Arbeitsstelle wird versucht, ihn mit entsprechenden Hilfsmitteln dort wieder zu integrieren. Diese Hilfsmittel haben sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. „Die Computertechnik hat einen Quantensprung bewirkt“, blickt Eßer zurück, viele weitere optische Hilfsmittel wie spezielle Lupen und Monitore würden den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern. Auch Smartphones gehören dazu, fügt Susanne Schmitz aus eigener Erfahrung hinzu. „Fast 90 Prozent aller Menschen, die mit dem weißen Stock unterwegs sind, sehen noch etwas. Gerade für Sehbehinderte gibt es viele Apps, die das Leben durchaus erleichtern“, sagt sie. Dazu gehören beispielsweise Navigationssoftware, ein digitaler Kompass und ein Barcode-Scanner, mit dem im Supermarkt der Unterschied zwischen einer Dose Hundefutter und einer Dose Ravioli erkannt werden kann. Für Sehende mag das banal klingen, für Sehbehinderte ist es noch die geringste Herausforderung im Alltag.

Das Berufsförderungswerk Düren hat mit dem Integrationsfachdienst zudem eine eigene Abteilung, die blinde und sehbehinderte Menschen, aber auch Arbeitgeber dabei unterstützt, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden und behindertengerecht einzurichten. Der Integrationsdienst vermittelt begleitete Betriebspraktika, die Mobilitätstrainer des BFW erarbeiten mit den Betroffenen die Wegstrecken von der Wohnung bis zur Arbeit – bundesweit. Im Idealfall steht schon zu Beginn des Praktikums fest, dass der Arbeitnehmer nach etwa einem Jahr Einarbeitungszeit übernommen wird. Dabei wird genau darauf geachtet, welche technischen und womöglich fachlichen Defizite es gibt und wie diese beseitigt werden können. Etwa 70 Prozent aller Rehabilitanden würden so am Ende ihrer Zeit beim BFW für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, bilanziert Dr. Inge Jansen, Abteilungsleiterin Bildung und Integration.

Die berufliche Integration und die Begleitung dorthin sind eine Seite der Medaille, die Ausbildung und Qualifizierung die andere. „Wir machen nicht die klassische Erstausbildung“, sagt Inge Jansen. Viele Menschen, die beim Berufsförderungswerk Hilfe suchen, hatten vor ihrer Erkrankung bereits eine Lehre gemacht, einen Beruf ausgeübt. Oft ist es die erste und auch wichtigste Aufgabe, im Laufe ihres Lebens erblindete und aufgrund einer Krankheit oder eines Unfall sehbehinderte Menschen auf ein möglichst eigenständiges Leben vorzubereiten und ihnen das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben. Während der zwölfmonatigen Grundrehabilitation werden den Betroffenen wie Susanne Schmitz lebenspraktische Fertigkeiten vermittelt. Wie komme ich in einer Wohnung klar? Wie nehme ich eine Mahlzeit zu mir? Wie koche ich überhaupt? Wie erhalte ich mir eine gewisse Mobilität? Manchmal muss auch die Krankheitsgeschichte von den Betroffenen noch verarbeitet werden. Sobald diese Schritte getan sind, wird der nächste in Angriff genommen: Eine Vermittlung auf eine Arbeitsstelle oder der Beginn einer Umschulung oder Berufsausbildung.

In der Vergangenheit standen die Berufe Masseur und Telefonist weit oben auf der Liste. Diese Berufe haben lange Zeit auch die Wahrnehmung von Menschen mit Sehbehinderung geprägt. Mittlerweile reicht das Spektrum der angebotenen Qualifizierungen aber vom Verwaltungsfachangestellten über kaufmännische, handwerkliche und medizinische Berufe. Neu ist auch eine Qualifizierung zum Beikoch, die das BfW in der eigenen Betriebsküche angesiedelt hat. Ein Experiment, das gut angelaufen ist. „Wenn es Vorbehalte bei Arbeitgebern gibt, ist es Teil unserer Aufgabe, diese aus der Welt zu schaffen“, sagt Inge Jansen: „Es ist in Irrglauben, dass blinde und sehbehinderte Menschen weniger leisten. Wer nach einem schweren Schicksalsschlag die Rehabilitation erfolgreich gemeistert hat, ist äußerst motiviert, das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Und er will auch wieder etwas leisten.“

Interview:

Welche Fortschritte hat es bei der beruflichen Integration von blinden und sehbehinderten Menschen seit 1976 gegeben?

Jansen: Allein in der Technik hat sich sehr viel gewandelt. Dies erleichtert es den Betroffenen, beruflich wieder Fuß zu fassen. Ein großer Wandel ist aber auch die Wahrnehmung der Arbeit, die in Berufsförderungswerken und anderswo geleistet wird: Der Stellenwert der Inklusion wächst.

Inklusion – ist das nicht vor allem ein politisches Schlagwort?

Jansen: Es wird schon deutlich mehr getan als in der Vergangenheit. Die Barrierefreiheit hat sich in Deutschland beispielsweise verbessert. Inklusion mag ein Wort der Politik sein: Hauptsache, die Botschaft dahinter ist in den Köpfen der Menschen präsent und wird beherzigt. Wir sind ja gerade auf offene Arbeitgeber angewiesen, die sich auf die Integration von Menschen mit Handicap einlassen. Das ist oft auch eine Frage der inneren Haltung von Arbeitgebern.

Wie ist es denn um die innere Haltung der Arbeitgeber bestellt? Es ist ja nicht schwer, einfach die Schwerbehindertenabgabe zu zahlen

Jansen: Inklusion ist auch hier viel stärker verankert als noch vor einigen Jahren. Die Bereitschaft der Arbeitgeber, sich auf einen Versuch einzulassen, wird weiter steigen. Davon bin ich überzeugt.

Ein Versuch?

Jansen: Die Integration von Menschen mit Behinderung ist kein Selbstläufer. Gerade deswegen stehen wir ja sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgebern beratend und begleitend zur Seite. Nicht jede Hürde, die man sich theoretisch vorstellen kann, ist in der Praxis auch vorhanden. Und wenn es Herausforderungen gibt, finden wir gemeinsam eine Lösung dafür. Das ist natürlich mit Aufwand verbunden, aber jede erfolgreiche Vermittlung zeigt, dass es geht. Vielleicht sollten die Arbeitgeber, die noch zögern, einmal ihre Kollegen befragen, die gehandelt haben. Das dürfte viele Vorbehalte abbauen.

Was könnte bei Ihrer Arbeit besser laufen?

Jansen: Ich wünsche mir, dass Betroffene viel schneller zur Beratung kommen und auch Mediziner neben dem Blick auf medizinische Aspekte auch frühzeitig auf die beruflichen Konsequenzen einer Augenerkrankung hinweisen. Manchmal fehlt einfach das Wissen, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt. Und diese Zeit geht dann verloren, beispielsweise um einem Betroffenen dabei zu helfen, die bisherige Arbeitsstelle zu erhalten. Wenn schnell gehandelt wird, ist dies mit technischen Hilfsmitteln sehr oft möglich. Ist der Arbeitsplatz erst verloren, verliert der Betroffene nicht nur Zeit, sondern auch Selbstwertgefühl.

Was wird das Jahr 2013 für die berufliche Integration blinder und sehbehinderter Menschen bringen?

Jansen: Wir haben drei neue Berufsangebote, die von der IHK abgenommen werden. Die „Servicekraft am Telefon“ löst den Telefonisten ab. Das Profil ist breiter aufgestellt und setzt auf eine zunehmend beratende Rolle, beispielsweise als Erstkontakt in einem Unternehmen. Dann bieten wir Ausbildungen zur „Medizinischen Schreibkraft“ und zum Maschinen- und Anlagenführer an. Wir wollen mit den Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt gehen und den steigenden Ansprüchen gerecht werden. Statt 08/15 sind individuelle Konzepte gefragt, die es Betroffenen ermöglichen, einen erfüllenden Beruf auszuüben.

Infokasten:

Zentrale Aufgabe des Berufsförderungswerkes Düren (BFW) ist die Integration von blinden und sehbehinderten Menschen in den Arbeitsmarkt. Dafür bietet das BFW Rehabilitationskurse, Aus- und Weiterbildungen an. Die Mitarbeiter das Integrationsfachdienstes beraten aber auch Unternehmen, wie sie Menschen mit Handicap ins Team aufnehmen können und welche Hilfestellungen und Hilfeleistungen es gibt.

Im vergangenen Jahr nahmen bis zum Stichtag 31. Oktober 187 Rehabilitanden an Kursen im Berufsförderungswerk Düren teil. Davon kamen 135 aus NRW, 15 aus Niedersachsen, zehn aus Hamburg, acht aus Schleswig Holstein, fünf aus Rheinland Pfalz sowie je drei aus Bremen, Hessen und dem Saarland. Die Vermittlungsquote lag in der Vergangenheit bei 70 Prozent.

Weitere Informationen zu Qualifizierung, Weiterbildung und beruflicher Integration gibt es unter 02421/598100, per E-Mail an info@bfw-dueren.de und im Internet unter www.bfw-dueren.de.

Stephan Johnen

Redakteur

Zeitungsverlag Aachen

Aachener Zeitung

Aachener Nachrichten

 



Mit der Braille-Zeile liest und bearbeitet Bruno Pais Dokumente auf dem Laptopbildschirm. Foto: Theresa Demski

 

 

 

Blind, aber lebensfroh

 

Nach dem Verlust seines Augenlichts begann Bruno Pais von vorne

 

Die Hürden des Alltags meistert er mit Bravour: Als Bruno Pais vor zehn Jahren sein Augenlicht verlor, stellte er sein Leben auf den Kopf und begann von vorne – ohne Wut und ohne Trauer.

 

Von Theresa Demski

 

Korbach. Wenn Bruno Pais an das Silvesterfeuerwerk denkt, über das er sich Jahr für Jahr gefreut hat oder an Blumenfelder und Skipisten, dann wird er nicht traurig. Dann grinst er kurz und sagt: „Ja, wäre schon schön, aber es ist eben anders.“

Vor zehn Jahren verlor der Korbacher sein Augenlicht. „Ich bin Diabetiker und war nachlässig“, sagt er. Unregelmäßiges Essen, unregelmäßige Spritzen: „Dann sagte mir der Arzt, ich würde blind.“ Bruno Pais versuchte es mit einer Lasertherapie, fuhr nach Italien zum Arzt, der damals auch Andrea Bocelli behandelte, und kehrte ohne Erfolg nach Deutschland zurück. „Mea Culpa, innerhalb eines Monats war ich blind“, sagt er. Dann sah Bruno Pais nur noch Lichtflecken. Bis dahin arbeitete der sympathische Italiener, der in Mannheim geboren wurde, in der Gastronomie. „Mein Vater war Eiskonditor, mein Bruder ist Eiskonditor und ich bin Eiskonditor“, sagt er.

Doch als er blind wurde, musste er seine Arbeit aufgeben, zog zu seinem Bruder nach Bochum und begann von vorne. „ Ich war nicht wütend und ich war nicht traurig“, sagt er, „ich bin ein Stehaufmännchen.“ Ein Italiener eben, und wie so oft muss er dabei lächeln. Sein einziger Gedanke sei gewesen: „Wie mache ich das Beste aus der Situation?“

Hilfe bekam er von einer Freundin, die einen ähnlichen Krankheitsverlauf hinter sich hatte. „Ich lernte mit dem Stock zu gehen“, erzählt er, „und ich erfuhr vom Berufsförderungswerk in Düren.“ Damals begann für den heute 43-Jährigen ein neues Kapitel. „Man muss sich völlig neu zurechtfinden“, sagt er. Und dabei half die einjährige Reha-Zeit in Düren. „Ich lernte mühsam die Braille-Schrift“, erzählt er, „lernte neu zu waschen, zu spülen und zu kochen.“

 

Suche nach Arbeitsstelle

 

Zwar stand die Welt auf dem Kopf, aber Pais rief sich die alten Bilder ins Gedächtnis. „Ich habe einen Vorteil gegenüber dem Geburtsblinden“, sagt er, „ich weiß, wie die Dinge aussehen.“ Und so schuf er Bilder. Egal ob er sich auf den Weg in die Fußgängerzone in Korbach macht oder zum Bahnhof: „Ich merke mir feste Bestandteile des Weges“, sagt er, „und auf dem Rückweg dreh ich das Bild einfach um.“

Und Bruno Pais machte Entdeckungen, die ihm bis dahin fremd gewesen waren. „Wenn man in der Fußgängerzone an der Apotheke vorbeigeht, dann kann man das riechen“, erzählt er lachend. Das gleiche gilt für das Eislokal. Und wenn Pais an seine Grenzen stößt, dann hat er wertvolle kleine Helfer: Beim Waschen und erkennen der Farben hilft ein kleiner Computer. „Wenn ich die Fernbedienung auf die Kleidung halte, sagt mir der Computer die Farbe“, erzählt Pais. Ein Barcode-Scanner erklärt beim Einkaufen, um welches Produkt und welche Menge es sich handelt, seine Uhr spricht mit ihm und auch seinen Computer hat er entsprechend aufgerüstet. Dank einer Braille-Zeile kann er Dokumente bearbeiten.

„Man muss einfach Wege suchen, dann findet man sie auch“, sagt er. Und so fährt er weiterhin Ski, indem er einem Vorfahrer mit einem Glöckchen hinterherfährt, oder setzt sich zuweilen mit seinem Bruder auf den alten Motorradsitz. „Diese Dinge lasse ich mir nicht nehmen“, sagt er.

Und im Berufsförderungswerk lernte Bruno Pais auch, wieder berufliche Pläne zu schmieden. Er ließ sich zum Telefonisten und Phonotypisten ausbilden, lernte, die Technik flink zu beherrschen, baute seine Stärken in Serviceberufen noch aus und arbeitete anschließend in Dunkelrestaurants. Bis zum 16. Mai absolviert er in Düren noch einen Integrationskurs, er lebt inzwischen aber wieder in Korbach. „Nach dem Kurs möchte ich wieder ins Arbeitsleben starten“, sagt Bruno Pais und wünscht sich eine Stelle als Telefonist in der Umgebung von Korbach.

Wovon er träumt? „Eines Tages möchte ich meine eigene Eisdiele eröffnen.“

 

Veröffentlicht in: Waldeckische Landeszeitung, Korbacher Zeitung, 18. Februar 2012

 

Fachtagung  „Inklusion schwerbehinderter Akademikerinnen und Akademiker”


Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung
„Inklusion schwerbehinderter Akademikerinnen und Akademiker”
erörterten am 08. Dezember 2011 in den Räumen der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn aktuelle Integrationsprogramme und Praxisbeispiele zur Inklusion schwerbehinderter Menschen.

In diesem Rahmen wurde auch die in den Berufsförderungswerken Düren und Oberhausen durchgeführte „Qualifizierungsmaßnahme für den Landesdienst NRW” als positives Beispiel einer erfolgreichen Integration besonders hervorgehoben.

 
Gruppenbild der Teilnemerinnen und Teilnehmer
 
 

 

Ehemalige Teilnehmerin des BFW Düren mit dem Integrationspreis des VdK ausgezeichnet

 

Im Rahmen der Messe REHACARE International in Düsseldorf wurde am 23.09.2011 zum dritten Mal der VdK-Integrationspreis für Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beschäftigung im Gesamtwert von 16.000 Euro verliehen. Insgesamt acht Preisträgerinnen und Preisträger aus ganz NRW wurden ausgezeichnet.

Eine der ausgezeichneten Preisträgerinnen war Frau Carla Hinz.

 

Frau Carla Hinz bei der Preisverleihung

Bild: v.l.: Laudatorin Margret Siebert, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Carina Hinz mit Blindenführhund Dusty, Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und Karl-Heinz Fries, Vorsitzender des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen e.V.

 

Frau Hinz  ist Projektassistentin in einer Stabsstelle des Rechenzentrums der Finanzverwaltung NRW. Sie war eine der besten Absolventinnen einer Qualifizierungsmaßnahme für schwerbehinderte Menschen im Berufsförderungswerk. Das verwundert nicht, ist sie doch der Typ Mensch, der Probleme schnell und klar erkennt und zielgerichtet löst. In der Stabsstelle ist ihr Tätigkeitsbereich ausgesprochen vielfältig, von der Vor- und Nachbereitung bundesweiter Treffen der Rechenzentren über die Unterstützung der Sitzungen im BackOffice bei dringenden Problemen bis in zu Änderungen in den elektronischen Elster-Steuerformularen. Viele, die mit ihr zusammenarbeiten, wissen gar nicht, dass sie blind ist. Seit einigen Monaten hat sie einen Blindenführhund, der ihr treuer Begleiter ist.

Schirmherr des Preises ist Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Stellvertretend für Minister Schneider beglückwünschte Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer die Ausgezeichneten: „Mit dem Integrationspreis des Sozialverbands VdK NRW e. V., der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal vergeben wird, wird ein wichtiges Zeichen gesetzt für die berufliche Teilhabe der Menschen mit Behinderungen und deren Integration. Menschen mit Handicaps haben ein vielfältiges Potential, wie wir auf dem Arbeitsmarkt sehen und anlässlich der Preisverleihung auch live erleben können. Arbeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und bedeutet gesellschaftliche Anerkennung. Den Preisträgern gratuliere ich sehr herzlich.“

 

Die Preisträger und Verantwortlichen des Integrationspreises

Bild: Die 8 Preisträgerinnen und Preisträger des VdK-Integrationspreises 2011 gemeinsam mit Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (5.v. l. stehend) sowie den Laudatorinnen und Laudatoren der den VdK-Integrationspreis unterstützenden Organisationen.

Alle Fotos: Armin Strauch

Veröffentlichung mit Genehmigung der Redaktion der VdK-Zeitung NRW

 

 


Thomas Rachel MdB: Berufsförderungswerk Düren ist Kompetenzzentrum der beruflichen Integration sehbehinderter Menschen


Düren.- Der CDU-Bundestagsabgeordnete des Kreises Düren und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, besuchte das hiesige Berufsförderungswerk Düren nicht zum ersten und ganz sicher nicht zum letzten Mal. Immer wieder informiert er sich über die Arbeit dieses Beratungs- und Bildungszentrums für blinde und sehbehinderte Menschen. Dabei geht der Blick vor allem auf die innovativen Ansätze und Projekte des BFW, die auch von der Bundesregierung mit Mitteln aus dem Ausgleichsfond derzeit in Höhe von 85.267 Euro gefördert werden. Viele nationale und internationale Projekte hat er in den letzten Jahren kennengelernt. „Das Berufsförderungswerk Düren hat sich zu einem Kompetenzzentrum bei allen Fragen der beruflichen Integration blinder und sehbehinderter Menschen entwickelt.”, lobte Rachel im Gespräch mit BFW-Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig. Dass dieser Weg kontinuierlich weiter beschritten wird, wurde während des Gespräches auch deutlich. Zeißig wies darauf hin, dass die Zahl der sehbehinderten Menschen in den nächsten Jahren steigen wird. Bereits heute sind in Deutschland 4,5 Millionen an Makuladegeneration erkrankt und ca. acht Millionen an Diabetes, die in vielen Fällen Sehbehinderungen und sogar Erblindungen zur Folge hat. Die Folgen sind ca. 100.000 bis 125.000 Neuerblindungen pro Jahr. Diese Entwicklungen vollziehen sich vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft, die zunehmend Fachkräfte sucht. „Noch immer gibt es keinen optimalen Übergang von der medizinischen zur beruflichen Rehabilitation, weil eine frühzeitige qualifizierte Beratung fehlt”, so Zeißig, der in dieser These unterstützt wurde von Prof. Norbert Schrage, dem Direktor und Chefarzt der Augenklinik Köln-Merheim. Eine wichtige Zukunftsaufgabe sei es daher, den von einer Sehbehinderung betroffenen Menschen eine zeitnahe Beratung über ihre Chancen einer weiteren beruflichen Teilhabe zu sichern. Wie dies deutlich verbessert werden kann, darüber will das BFW gemeinsam mit Fachleuten wie Prof. Schrage und politisch Verantwortlichen nachdenken.
 

 

Aktuelles zur Landesqualifizierung für arbeitslose Schwerbehinderte


Pressemeldung des Ministeriums für Inneres und Kommunales des
Landes Nordrhein-Westfalen

Landesqualifizierung für arbeitslose Schwerbehinderte - eine Erfolgsgeschichte


Innenminister Jäger: Wir nehmen unsere Verantwortung ernst

Das Ministerium für Inneres und Kommunales teilt mit:

In den Berufsförderungswerken Düren und Oberhausen erwarben bis heute mehr als 200 schwerbehinderte Personen, darunter 80 sehbehinderte und blinde Menschen, ihre berufliche Befähigung für eine unbefristete Anstellung in den Dienststellen der Landesverwaltung. „Die Landesqualifizierung NRW ist seit 1997 eine Erfolggeschichte. Das Land nimmt seine Verantwortung sehr ernst, behinderten Menschen eine sichere Perspektive zu bieten“, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (19.01.) in Düsseldorf.

Die zwei Teilnehmerinnen und drei Teilnehmer der 14. Qualifizierungsklasse des Berufsförderungswerkes Düren für arbeitslose Sehbehinderte und Blinde diskutierten mit dem Minister bei ihrem Besuch im Landtag. Sie stehen kurz vor ihrer Prüfung zu „Verwaltungsfachangestellten in der Landesverwaltung“. „Die „Landesqualifizierung NRW“ ist ein Garant dafür, dass Menschen mit Behinderungen eine unbefristete Anstellung in Dienststellen der Landesverwaltung erhalten“, sagte der Minister

Bei der Maßnahme werden die bereits als Kaufleute und Verwaltungsfachangestellte gut ausgebildeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer zusätzlichen achtmonatigen Landesqualifizierung fit gemacht. Unterrichtsstoff aus vielen Bereichen, wie z. B. Staats-, Verfassungs- und Europarecht, Verwaltungs- und Ordnungsrecht, Haushaltsrecht, die Bearbeitung von Beihilfe- und Reisekostenanträgen sowie spezielle Computerkenntnisse zählen dabei zum Unterrichtsstoff.

Seit vielen Jahren legt die Landesregierung besonderen Wert darauf, gezielt die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen zu verbessern, als Vorbild für alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche zu wirken, die Arbeitslosenquote im Bereich Schwerbehinderter zu senken und – vor allem – das Potenzial der Absolventinnen und Absolventen zukünftig für die Landesverwaltung zu nutzen. „Die behinderten Beschäftigten leisten eine ebenso gute Arbeit wie ihre nichtbehinderten Kollegen“, stellte Jäger fest. „Die gemeinsame Arbeit in Teams verbindet und schafft ein soziales Miteinander über bestehende Handicaps hinweg.“

Im Geschäftsbereich des NRW-Innenministeriums arbeiten über 3.680 schwerbehinderte Menschen. Das sind rund 6,6 Prozent aller Beschäftigten nach den Erhebungen für das Jahr 2009. „Damit haben wir die vom Gesetzgeber geforderte Quote übertroffen und im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Die Bemühungen der Landesregierung mehr schwerbehinderte Menschen in der Landesverwaltung zu beschäftigen tragen Früchte“, sagte Jäger.

Veröffentlichung mit Genehmigung des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen 

 

 


 

50 Jahre institutionelle berufliche Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland

 

Das Berufsförderungswerk Düren mit Sitz in der Karl-Arnold-Straße hat gestern den ganzen Tag gefeiert. Es gab Führungen durch das Berufsförderungswerk, Erfahrungsberichte von ehemaligen Schülern des BfW, die in den 70er Jahren hier ausgebildet wurden, und die Vorführung verschiedener Sportarten für blinde und sehbehinderte Menschen. Mittelpunkt der Feierlichkeiten war aber der Festakt im Winkelsaal von Schloss Burgau, dessen musikalische Gestaltung ein Klarinetten-Ensemble der Musikschule Düren unter der Leitung von Joachim Locker übernommen hatte. Nach der Begrüßung durch die Landesrätin Frau Martina Hoffmann-Badache des Landschaftsverbandes Rheinland gleichzeitig Vorsitzende der Gesellschafterversammlung des BfW in Düren, hielt Frau Ministerialdirektorin Brigitte Lampersbach, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Festrede. Grußworte wurden gerichtet von Frau Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW, Herr Holger Baumann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, Herr Hans-Werner Lange, Vizepräsident des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten- verbandes und Herr Werner Otte, Vorsitzender der ARGE „Die Deutschen Berufsförderungswerke e. V.“. Zudem gab es Grußworte von Bürgermeister Herr Paul Larue und Herrn Axel Eichstätt, einer der rund 200 Rehabilitanden des Dürener BfW. Herr Dr. Zeißig, Geschäftsführer des BFW, bedankte sich bei den Rednern und dem Klarinettenensemble der Musikschule Düren.

 

Wertvolle Hinweise mit in die bulgarische Heimat genommen

Gäste lernten im BFW Düren berufliche Reha hautnah kennen

Düren. Wie vorbildlich die berufliche Rehabilitation in Deutschland ist, erfuhren Wirtschaftsstudenten der Freien Universität Varna bei ihrem Besuch des Berufsförderungswerkes Düren. Die bulgarischen Gäste, die bei ihrer Deutschland-Tour mehrere Unternehmen besichtigten, hatten sich ausdrücklich auch für eine Besichtigung des Dürener Zentrums für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen entschieden. Kennengelernt hatten sie das BFW Düren bereits durch Heinrich Niehaves, der als Gastprofessor in Varna lehrt und zugleich seit vielen Jahre Dozent der Dürener Einrichtung ist. Das Hauptinteresse der Studenten und ihrer Professorin Galya Gercheva-Nestorova galt natürlich der Frage, wie es gelingt, eine hohe Zahl von Absolventen der einzelnen Qualifizierungsmaßnahmen im BFW Düren wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein solches System der beruflichen Rehabilitation, das neben den sozialpolitischen Aspekt der Teilhabe erhebliche ökonomische Vorteile bietet, existiert in Bulgarien noch nicht. Für die Gäste brachte der Besuch somit wertvolle Hinweise, wie sie im eigenen Land berufliche Rehabilitation verwirklichen können.

 

BFW Düren zeigte auf SightCity Perspektiven auf

 

Messestand

 

Drei Tage lang präsentierte sich das Berufsförderungswerk Düren auf der größten deutschen Fachmesse für Blinden und Sehbehinderten-Hilfsmittel in Frankfurt. Diese Messe gibt den betroffenen Menschen einen hervorragenden Überblick über die neuesten Hilfsmittel, aber auch über die beruflichen Möglichkeiten nach dem Eintreten der Erblindung bzw. einer dauerhaften Sehbeeinträchtigung. Das BFW Düren als eines von drei bundesweit anerkannten Zentren für die berufliche Bildung sehbehinderter Menschen konnte interessierten Standbesuchern Beratungs- und Bildungsmöglichkeiten aufzeigen, um den noch vorhandenen Arbeitsplatz zu erhalten oder durch eine neue Qualifizierung wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Besondere Nachfrage fand das neue Berufsfeld „Medizinische Tastuntersucherin“, das in Kooperation mit Frauenärzten angeboten wird. Nach einer eigens entwickelten Methode zur klinischen Brustuntersuchung sind blinde Frauen mit besonderen Tastfähigkeiten in der Lage, kleinste Veränderungen der weiblichen Brust festzustellen. Die Medizinische Tastuntersucherin übt ihren Beruf nach der Qualifizierung unter Verantwortung eines Frauenarztes aus.

 

 

Die ,,Blind Sunshines“: Im Berufsförderungswerk haben sich die vier sehbehinderten oder blinden Frauen Tanja Bloch, Sandrine Isugi, Katharina Feistle und Lena Simons (von vorne nach hinten) zu einer kleinen Garde zusammengeschlossen.

Foto: Berners

 

Die Kunst, Bewegung in Worte zu fassen

 

Vier Junge Frauen, die im Berufsförderungswerk ihre Ausbildung machen, haben sich zu einer ,,Blinden Garde“ zusammengeschlossen

 

Von Sarah Maria Berners

 

Düren/Kelz. ,,So, das machen wir jetzt aber noch mal, mit Einmarsch.“ Vier Gardetänzerinnen treten im Takt der Musik in die Halle. Der Flur entlang, durch die große Tür und dann eine Runde über die Bühne. Im Gleichschritt und einem Lächeln auf den Lippen. Es ist Training, wie man es in diesen Tagen überall sehen kann. Und doch ist alles ganz anders. Die vier jungen Frauen sind blind oder sehbehindert. Katharina Feistle (20). Tanja Bloch (23) und Lena Simons (18) sehen Schatten und Umrisse. Sandrine Isugi (25) sieht nichts. Die klopfenden Schritte der anderen und das Rascheln der Puscheln helfen ihr, sich zu orientieren. Und wenn die Position nicht stimmt, gibt es einen sanften Stupser oder ein Flüstern.

 

17 Jahre Erfahrung

 

„Es ist eben schon ein Unterschied, ob man erkennen kann, wo eine Person steht, oder ob da einfach gar nichts ist“, sagt Sandrine Isugi. Vom Tanzen abhalten kann sie das aber nicht. „Am besten funktionieren die Elemente,  bei denen wir uns berühren.“ Wenn die Tänzerinnen in der Reihe stehen und die Beine werfen oder beim Einmarsch, wenn sie die Arme auf die Schulter der Vorderfrau legen zum Beispiel. Das gibt Halt, im mehrfachen Sinne. Die Choreographie für den Tanz hat Katharina Feistle entwickelt. Susanne Draheim (Bfw) hat ihr dabei geholfen. Aus Erfahrung weiß Katharina Feistle, was gut aussieht und dem Publikum gefällt. Sie tanzt seit ihrem dritten Lebensjahr für die KG „Fidele Jonge“ Kelz. Die Choreographie hat sie entsprechend den Fähigkeiten der Tänzerinnen konzipiert. Sandrine Isugi zum Beispiel muss sich weniger im Raum bewegen. Die anderen tanzen um die blinde junge Frau herum, führen sie aus der Position in eine neue Position. Aber das fällt erst wirklich auf, wenn man es weiß. „So, einer muss jetzt vorgehen“, sagt die Trainerin. „Also ich bestimmt nicht“, sagt Isugi und lacht ironisch.

Isugi hat früher, als sie noch sehen konnte, auch schon getanzt. Hip-Hop. In Essen. „Daher weiß sie, wie Bewegungen aussehen, wie sie sich bewegen muss“, sagt Tanja Bloch. Das ist sehr hilfreich. Bewegungen für jemanden, der sie noch nie gesehen hat, in Worte zu fassen ist schwer. „Zum Beispiel einen Hüftschwung“, sagt Lena Simons. „Versuchen Sie es doch mal.“ In einer „blinden Garde“ funktioniert es nicht, wenn jemand sagt: „Linker Arm nach oben“ oder „Mach mal so“. Die Mädchen beschreiben füreinander, aber vor allem für ihre blinde Freundin den genauen Winkel, in dem der Arm zum Körper stehen muss und den Winkel, in dem die Beine gebeugt werden. Wer nicht oder nur wenig sehen kann und trotzdem einen Tanz auf die Bühne bringen will, braucht Disziplin, Geduld und sprachliche Kreativität. „Und manchmal stellen wir fest, dass das, was wir beschrieben haben, doch ganz anders aussieht, als wir es uns vorgestellt haben.“ Dann fühlt Sandrine Isugi, was ihre Freundinnen machen und macht es nach.

So hat auch Katharina Feistle in der Garde der KG „Fidele Jonge“ das Tanzen gelernt. Ihre Mutter - früher auch Tänzerin – hat die Bewegungen gemacht, sie hat hinter ihr gehockt und gefühlt, wie die Mutter die Beine bewegt. Und dann hat sie geübt. Die vier Frauen machen im Berufsförderungswerk ihre Ausbildung. Der Gardetanz hat sie für eine Session zusammengebracht. Im November haben sie mit den Proben begonnen. Und da war die Garde auch noch ein bisschen größer. „Aber nicht bei allen blinden Menschen ist der Gleichgewichtssinn so stark ausgeprägt“, erklärt Katharina Feistle.

Morgen stehen die ersten Auftritte der jungen Frauen an. Heute ist Generalprobe. „ Die Bühne in Kelz kenne ich auswendig“, sagt Feistle. Die anderen Tänzerinnen nicht. Damit sie ein Gefühl von den Abmessungen der Bühne, von der Treppe, die hinauf führt, und vom Saal bekommen, wird die Trainerin mit jeder einzeln die Wege abgehen. Schritt für Schritt. „ Die Bühne ist groß genug. Niemand von uns muss an einer Kante stehen.“

Die Ausbildung wird die drei Frauen aus Essen und Duisburg nach Mainz verschlagen. Aber Katharina Feistle plant schon, in der nächsten Session wieder eine „Blinde Garde“ zu trainieren.

 

Veröffentlicht in der Dürener Zeitung am 15. Februar 2012

 

 

 

Alternativer Text

Bild: Küchenchef Ralf Bongartz (rechts) beobachtet interessiert die Arbeit der zukünftigen Beiköche Tenzin Tsering und Tobias Husemann (von links).

Foto: Johnen

 

Experimentelle Küche ist ein Erfolgskonzept

 

Das Berufsförderungswerk Düren bildet sehbehinderte Beiköche aus. Tobias Husemann und Tenzin Tsering gehören zum zweiten Jahrgang.

 

Von Stephan Johnen

 

Düren. Gastronomie war für Tobias Husemann lange Zeit kein Thema. Seine Familie betreibt zwar seit Generationen ein Restaurant in Ibbenbüren, das ,,stadtbekannt für seine Frikadellen und Koteletts ist“, doch seine berufliche Zukunft sah der junge Mann außerhalb der Küche-und begann eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer. Den Gesellenbrief hatte er schon in der Tasche, da entpuppte sich seine vermeintlich kleine Sehschwäche als hochgradiges Handicap: Tobias Husemann verfügt nur über eine Restsehkraft von 15 -20 Prozent. „Ich habe das nie so wahrgenommen, mir fehlt ja der Vergleich“, sagt der 24-Jährige, der schon seit Kindertagen an mehreren Augenerkrankungen leidet. Ein wenig habe er die Probleme einfach verdrängt. Seine Karriere war jedenfalls zu Ende bevor sie richtig begonnen hatte.

Heute steht der 24-Jährige in der Küche des Dürener Berufsförderungswerks (Bfw), dem Zentrum für die berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen. Ausgerechnet Küche? Im Gegenteil: „Es war mein Wunsch. Ich musste dafür kämpfen und mich beweisen“, sagt er. Schließlich kennt er sich in Küchen aus, das gibt Sicherheit in einer Zeit des Umbruchs. Ganz bewusst habe er sich für diesen recht neuen Weg der beruflichen Integration sehbehinderter Menschen entschieden. Sein Ziel: in anderthalb Jahren möchte er die Prüfung als Beikoch abgelegt haben und danach die Ausbildung zum Koch anschließen. Wer weiß, vielleicht führt ihn der Weg in die Küche der Eltern. Tobias Husemann hat seine Meinung geändert. Auf der Suche nach einem geeigneten Beruf landete er nach einem Rehabilitationsvorbereitungslehrgang in Düren. Dort hatte das Berufsförderungswerk erstmals zwei sehbehinderte Beiköche ausgebildet, Husemann und der 34 Jahre alte Tenzin Tsering aus Tibet gehören zum zweiten Jahrgang.

,,Die Gastronomie ist eine Branche mit hohem Beschäftigungspotenzial und bietet vielfältige Tätigkeitsfelder", sagt Karl-Albert Eßer vom Bfw. Auf der Suche nach neuen Ausbildungs- und Umschulungsangeboten habe sich das Berufsförderungswerk für den ,,Beikoch“ entschieden. Die Ausbildung oder Umschulung schließt mit der Prüfung vor der IHK ab.

Der Beikoch ist mehr als eine Küchenhilfe. Seine Ausbildung ist stark an die des Kochs angelehnt. ,,Nur etwas abgespeckter“, sagt Ralf Bongartz, der Teamleiter Küche. Beiköche arbeiten unter der Anleitung eines Kochs und übernehmen die Zubereitung von Fleisch- und Fischgerichten, das Anrichten von Salaten und die Herstellung von Süßspeisen. „Bei uns wird die Roulade noch selbst gemacht“, verdeutlicht Bongartz, dass in seiner Küche Fertigprodukte gemieden werden. Will heißen: Die angehenden Beiköche haben viel Handarbeit zu leisten und können dabei viel lernen. Und auch das Team von Ralf Bongartz hat dazugelernt. „Irgendwann springen wir im Leben alle einmal ins kalte Wasser“, berichtet er von der Umstellung. Bislang hatte sein Team für Menschen mit Handicap gekocht-jetzt stehen die Rehabilitanden selbst am Herd. Seitdem ist experimentelle Küche angesagt. Und es zeichnet sich ab, dass dies ein Erfolgsrezept wird.

„Mit Übung kann man viele Dinge ausgleichen“, berichtet Tobias Husemann. So könne er beispielsweise nicht den Bräunungsgrad von Fleisch erkennen, er lässt es aber dennoch nicht anbrennen. Welche Hilfsmittel sich als hilfreich erwiesen, fanden die Köche im Arbeitsalltag heraus. So benutzen die angehenden Beiköche beispielsweise kontrastreiche Bretter, auf denen sich das Gemüse optisch abhebt. „Die Fingerfertigkeit eines Koches stellt sich mit der Zeit ein“, sagt Tenzin Tsering. ,,Ich muss nicht sehen können, um sauber zu schneiden“. Bei manchen Tätigkeiten werden sie wohl nie das Tempo eines Sehenden erreichen, doch auf die Qualität habe das keinen Einfluss, sagen die Ausbilder. Es ist aber gut möglich, dass die Beiköche Einfluss auf die Speisen nehmen. Tenzin Tsering kocht gerne Thailändisch. Nächste Woche steht eine Reispfanne auf dem Speisezettel. Es wird schärfer im Land der Koteletts und Frikadellen.

 

Veröffentlicht in der Dürener Zeitung am 2. Februar 2012

 

Braille-Tafeln für Kambodscha


Helfen kann so einfach sein vor allem in armen Ländern, wo es am Nötigsten fehlt. Diese Erfahrung stand am Anfang eines Hilfsprojekts für blinde Kinder in Kambodscha.

Als Dieter Micheel im Juli 2007 im Flugzeug nach Kambodscha saß, hatte er eigentlich nichts weiter geplant als eine außergewöhnliche Urlaubsreise. Der Mitarbeiter des Sozialdienstes im Berufsförderungswerk Düren wollte die Tempelanlage Angkor Wat im kambodschanischen Urwald besuchen. Aber irgendwie kam alles anders. "Ich habe Mom und ihren blinden Ehemann Savuth kennen gelernt", erinnert er sich. Savuth wünschte sich sehnlichst einen Computer, um trotz seiner Blindheit einen qualifizierten Job zu bekommen und genug Geld für seine Familie zu verdienen. Micheel war von Savuths Schicksal gerührt. Zurück in Deutschland sammelte er Spenden bei Kollegen, Freunden und Bekannten. Savuth bekam seinen Computer und kann demnächst tatsächlich in einer Verwaltung anfangen.
 

Doch Dieter Micheel wollte noch mehr tun und nahm Kontakt auf zu einer Blindenschule in Siem Reap. Es gibt viele blinde Kinder in Kambodscha, erklärt er, weil die hygienischen Verhältnisse sehr schlecht sind und die Menschen nicht selten durch Infektionen erblinden. Die Blindenschule, die er nun unterstützt, muss sich allein aus Spenden finanzieren. Da helfen schon ganz einfache Dinge. Wir können mit Spenden, aber auch mit Blindenhilfsmitteln helfen, die wir beim BFW ausgemustert haben, so der Initiator. Gemeinsam mit Kollegen und Freunden wurde für ein Jahr das Gehalt eines Blindenlehrers finanziert, außerdem ein kleiner Zuschuss für das tägliche Essen der Kinder. Die Spendensammler arbeiten inzwischen eng mit dem Verein Thüringisch-Kambodschanische Gesellschaft zusammen, der schon seit vielen Jahren in Kambodscha hilft. Von Erfurt aus starten regelmäßig Hilfstransporte, die nun auch Dürener Spenden kostenlos mitnehmen.


So haben die Kinder in der Blindenschule alle eine Braille-Tafel zum Erlernen der Blindenschrift bekommen, einige Lupen und ein Klingelball waren auch dabei. Dieter Micheel: Die Freude der Menschen ist unglaublich groß. Der Erfolg war Anlass genug, weitere Projekte in Angriff zu nehmen. So spendeten das Berufsförderungswerk und einige Privatleute eine Reihe von Blinden-Bogenmaschinen, so dass die Kinder nun viel besser am Unterricht der normalen Schule teilnehmen können. Der Direktor der Blindenschule in Siem Reap möchte seine Kinder vor einem Bettlerdasein bewahren. Stattdessen sollen sie Fertigkeiten erlernen, die ihnen später eigene Einkommensmöglichkeiten sichern, zum Beispiel wie man Gemüse anbaut und die Produkte vermarktet. Die Schule konnte inzwischen eine Hühnerfarm aufbauen, mit deren Erlösen sie sich zum teil selbst finanziert. Die notwendigen 2.100 US-Dollar für diese Hilfe zur Selbsthilfe waren durch eine weitere Aktion zusammengekommen. Und auch das nächste Projekt, die Installation einer sanitären Anlage, ist in den Köpfen schon fast fertig. Doch dafür muss erst wieder fleißig gesammelt werden.
Kontakt: Dieter Micheel, Tel.: 02421/598118, E-Mail: micheel@bfw-dueren.de

Sandra Kinkel

 

Eine Erfolgsgeschichte mit Zukunft

35 Jahre Kooperation zwischen BFW Düren und Finanzminister NRW

„Die Beschäftigung blinder und sehbehinderter Menschen im Bereich des Finanzministers NRW ist eine Erfolgsgeschichte. Seit 35 Jahren gelingt es, Menschen dort zu integrieren. So arbeiten in den 144 Dienststellen insgesamt 120 Arbeitnehmer mit einer Sehbehinderung”, erklärte Heinz Pütz, Hauptvertrauensperson der Schwerbehinderten im Geschäftsbereich des Finanzministers NRW bei einem Besuch der Mitglieder der Hauptschwerbehindertenvertretung im Berufsförderungswerk Düren. Sein großes Ziel ist es, dass zukünftig auch andere NRW-Ministerien in diese außergewöhnliche Integrationsmaßnahme einbezogen werden können.

Dass die Erfolgsgeschichte geschrieben werden konnte, liegt nicht unwesentlich an einem Erlass aus dem Jahre 1984. Damals wurde festgelegt, dass im Bereich Büroservice, zu dem auch die Fernsprechvermittlung gehört, bei einer erstmaligen oder Wiederbesetzung nur geeignete blinde und sehbehinderte Menschen auf solche Stellen vermittelt werden. Die Kooperation zwischen dem Finanzministerium und dem Berufsförderungswerk Düren bzw. seiner Vorgängerinstitution, der Rheinischen Umschulungsstätte für Späterblindete, begann allerdings bereits im Jahr 1972 im Rahmen einer Qualifizierung blinder und sehbehinderte Telefonisten, die dann 1974 nach abgelegter Prüfung in die Laufbahn des mittleren Dienstes übernommen wurden. Durch den Erfolg dieser Maßnahme können sich Absolventen des Berufsförderungswerks für den Landesdienst qualifizieren, um dann in den Laufbahnen des mittleren bzw. gehobenen Dienstes der Steuerverwaltung sowie mit Unterstützung durch Assistenzkräfte als Finanz- und Diplomfinanzwirte im Bereich des Finanzministeriums eingesetzt zu werden.


Beim jüngsten Besuch der Hauptschwerbehindertenvertretung des Finanzministeriums im BFW Düren ließen sich die Mitglieder dieses Gremiums eingehend über die Veränderungen in der Ausbildung sowie technische Neuheiten informieren.

 

Blind, in ihrem Alter!

Das fällt auf, und auffallen wollte sie auf keinen Fall. Also mogelte sie sich durch - bis auch das nicht mehr ging.

Vor einem Jahr konnte ich noch Gesichter erkennen. Jetzt nicht mehr. Das vermisse ich, die Gestik und die Mimik. Und das Autofahren! Vor zehn Jahren fing es an. Ich hab was auf den Tisch gelegt, und wenn ich wieder hinguckte, war es weg. Der Arzt sagte: Retinitis Pigmentosa, ein Gendefekt. Die Zellen im Augenhintergrund sterben ab, man erblindet. Ich war fassungslos. Aber erst mal habe ich so weitergelebt wie bisher. Ich war eine Partygängerin, hatte einen großen Freundeskreis. Doch dann wollte ich immer relativ früh nach Hause. Weil ich es so anstrengend fand, auf Hilfe angewiesen zu sein - man musste mich zur Toilette begleiten, mir sagen, wo die Stufen sind. Ich bin oft hingefallen. Ich hatte einen Tunnelblick, ich sah nicht, was oben, unten oder seitlich war.

Und dieses Sehfeld wurde immer kleiner. Aber ich hab alles dafür getan, dass das nur wenige mitkriegen. Deshalb gab es viele Missverständnisse. Leute reichten mir die Hand, und ich nahm sie nicht - weil sie unterhalb meines Sehausschnitts war. Ich galt wohl als arrogant. So zog ich mich zurück, und die Leute aus der Clique fragten nicht nach. In dem Dorf, in dem ich wohne, gibt es keinen anderen Blinden. Ich wollte nicht auffallen. Dazu war ich absolut nicht bereit. Also habe ich mich jahrelang rumgemogelt. An der Kasse kramte ich in meiner Tasche rum, bis mir die Kassiererin das Rückgeld direkt in die Hand gab: Hallo, Ihr Rückgeld! In der Praxis, wo ich als Zahnarzthelferin war, hatten sie Rücksicht genommen, und ich konnte ja noch Dinge lokalisieren, wenn ich wusste, wo sie lagen.

Aber dann ging es rapide abwärts. Ich musste meine Arbeit aufgeben. Es ging mir richtig schlecht. Ich hatte das Gefühl, ein einsamer Sonderfall zu sein. Nichts mehr wert. Bis ich mir sagte: Entweder ich trauere weiter und gehe daran zugrunde, oder ich finde mich damit ab.

Vor einem Jahr habe ich mit dem Stocktraining begonnen. Die Leute im Dorf hören auf zu sprechen, wenn ich an ihnen vorbeigehe. Und Verkäuferinnen laufen vor mir davon - sie denken, ich sehe gar nichts mehr. Aber derzeit bin ich meist in Düren, hier sind die Leute an Blinde gewöhnt. Ich lerne Physiotherapeutin im Berufsförderungswerk für Blinde und Sehbehinderte. Mittlerweile gehört der Stock zu mir. Gut, ich würde keine Lichterketten dranhängen, aber es geht eben nicht ohne. Selbst Müll bringe ich nur noch mit Stock raus.

Hier sind lauter Menschen, denen es genauso geht. Die meisten waren, als sie herkamen, sozial runtergeschraubt. Jetzt gehen wir shoppen, in Kneipen, manche auch ins Kino, obwohl sie vollblind sind. Einer hat sogar ein Dauerabo. Irgendwann probiere ich das auch aus.

Ich habe früher viel Fernsehen geschaut, war viel im Internet - hier reden wir und reden. Früher hat mich nicht groß interessiert, was andere Leute denken. Ich glaube, ich war oberflächlich. Ich bin feinfühliger geworden, erkenne schon an der Stimme, wenn jemand ein Thema brenzlig findet.

Und ich habe mich hier mit Leuten befreundet, die hätte ich früher nie kennengelernt. Einer zum Beispiel aus der Heavy-Metal-Szene, den ich anfangs noch sehen konnte: schwarzer Mantel, Ketten und Nierenarmbänder - gruselig, hätte ich gesagt. Mit dem bin ich jetzt befreundet. Ich urteile nicht mehr so schnell.

Natürlich gibt es immer noch peinliche Situationen. Wenn ich in eine Hecke laufe. Oder ins Leere spreche, weil jemand kurz vom Tisch aufgestanden ist und mir das nicht gesagt hat. Blöd sind die Blicke im Nacken, wenn einen Leute beobachten. Packt sie das jetzt? Das macht unsicher. Und blöd ist, wenn Leute extra laut mit mir sprechen. Hey, ich bin blind, aber mit den Ohren hab ich nichts!
Ich bin noch nicht so unbeschwert, wie ich gern wäre. Aber es ist wieder ein normales Leben. Jetzt spare ich auf eine SMS-Sprachausgabe und auf einen Scanner, damit mir der PC meine Post vorliest - derzeit muss ich ja alles offenbaren: Kontoauszüge, Briefe … Das ist dann ein Stück Freiheit.

Protokoll: Christine Holch

Aus christmon, das evangelische Magazine 1/2009

Veröffentlicht mit Genehmigung

 

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