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Zentrum für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen

Ein Blindenstock für NRW´s Behindertenbeauftragte

Gruppenfoto mit Frau Middendorf vor dem BFW-Eingang

Claudia Middendorf zu Besuch im Berufsförderungswerk Düren

 

Einen Tag lang blind zu sein oder zumindest sehbehindert, das war das Ziel des Besuchs von Claudia Middendorf im Berufsförderungswerk (BFW) Düren. Die Landesbehinderten- und Patientenbeauftragte von Nordrhein-Westfalen machte sich im Juli auf nach Düren, um sich ein Bild davon zu machen, was es bedeutet blind zu sein. Dass das BFW verschiedenste Angebote vorhält, war der Politikerin bewusst, dass es jedoch so eine Vielfalt an unterschiedlichen Bedarfen gibt, wurde ihr im Rahmen der Selbsterfahrung wirklich deutlich. Denn sehbehindert ist nicht gleich sehbehindert und nicht jeder der mit Langstock geht, ist vollblind. Es gibt viele Grauzonen zu bedenken, viele Feinheiten zu planen und viele Gegebenheiten, die nicht zu ändern sind.

 

Was heißt es also, selbst betroffen zu sein? Womit müssen Teilnehmer des BFW Tag für Tag kämpfen? Dies stand für die Landesbeauftragte im Mittelpunkt und ausgestattet mit einem Blindenlangstock und einer Simulationsbrille tauchte sie in diese Lebenswelt ein.

 

Langsam und behutsam lief sie durch das Gebäude und das Außengelände des BFW. Geräusche, Gerüche und Ängste stehen plötzlich im Vordergrund.

Vom Verlust des Sehsinns bis zum Wiedergewinn der Selbstwirksamkeit sind jede Menge Schritte zu gehen. Der Verlust des Sehvermögens verlangt den betroffenen Menschen höchste Geduld und eine enorme Frustrationstoleranz ab.

 

„Mir ist es immer wichtig mit Menschen ins Gespräch zu kommen, zu hören, wo der Schuh drückt und zu sehen, wie sie mit ihrer Situation umgehen." Folglich war das Gespräch mit dem Teilnehmer Herrn Blazejczak ein wichtiger Programmpunkt des Tages. Er berichtete von seinem Weg, den genommenen Hürden und bevorstehenden Meilensteinen. Ein Weg, der nicht einfach war, immer noch beschwerlich ist und viel Kraft abverlangt. Da tut es schon gut, wenn Außenstehende einen Blick ins BFW wagen um die Belange von sehbehinderten Menschen kennenzulernen.

 

Eine weitere Station war der Unterricht der Lebenspraktischen Fähigkeiten. Ein Raum, ein Trainer, ein Schüler - alles ist individuell auf den Betroffenen abgestimmt. So vermitteln die Reha-Lehrer nur Inhalte, die für den Einzelnen zielführend sind. Claudia Middendorf lernt beispielsweise, sich blind Wasser einzuschütten - ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten. „Unfassbar, die einfachsten Dinge müssen neu erlernt werden".

 

Vor der Selbsterfahrung sprach die CDU-Politikerin mit einer kleinen Diskussionsgruppe, wo Geschäftsführerin, Dr. Inge Jansen, über die Möglichkeiten des BFW berichtete. Insbesondere liege ihr die Einführung einer medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation am Herzen. „Wer seinen Sehsinn verliert, wird mit dem Taxi nach Hause entlassen - eine OP an der Hüfte hingegen führt zur medizinischen Reha. Denselben Anspruch haben Menschen mit Sehbehinderungen auch, oder sollten ihn zumindest haben.“, sagte die Leiterin des BFW Düren. Für ein solches Angebot wirbt ihre Einrichtung schon seit vielen Jahren, schön, wenn es demnächst als Regelangebot vorgehalten werden kann. 

 

Nach dem Besuch im BFW ging es für die Landesbeauftragte mit dem ehemaligen Geschäftsführer des BFW Düren, Dr. Hans-Joachim Zeißig, weiter zum Rheinischen Blindenfürsorgeverein, wo er sich nach wie vor als Geschäftsführer für Menschen mit Sehbehinderungen stark macht.

Frau Middendorf tastet sich unter der Simulationsbrille mit Langstock über das BFW-Gelände
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