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Zentrum für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen

Von der Uni zur Geschäftsführung des BFW Düren

Frau Dr. Jansen und Herr Dr. Zeißig begrüßen sich herzlich

Ein Bericht aus Sicht des emeritierten Geschäftsführers – Dr. Hans-Joachim Zeißig


Nach annähernd 15 Berufsjahren im BFW Hamm in leitender Funktion war für mich der bevorstehende Wechsel der Geschäftsführung des BFW Düren mit vielen Überraschungen verbunden, die ich vorher nicht absehen konnte.

So hatte ich zwar in den 15 Jahren davor in Hamm viele verantwortliche Personen für die berufliche Rehabilitation in NRW sowie in der BRD kennengelernt und noch mehr: auch mich kannte man in vielen Gremien auf unterschiedlichen Ebenen, allerdings war mir bis dato nicht bekannt gewesen, wie ausdifferenziert in horizontaler und vertikaler Richtung
das Blindenwesen ist und ich habe auch nicht annähernd geahnt, welche Bedeutung dies für die berufliche Reha von sinnesgeschädigten Menschen und welche Wirkung dies auf die inhaltliche und formale Verzahnung meiner Arbeitsabläufe und die der Organisation nehmen sollte.

Die komplexen Aufgaben der BFW Leitung beinhalten bereits zwangsläufig die der klassischen Geschäftsführung eines kleinen BFW (mit allen Vor- wie Nachteilen durch die Größe), und damit auch die Verbindlichkeiten, die sich aus der Organisation der Deutschen Berufsförderungswerke damals „ARGE“ heute „Bundesverband der Deutschen Berufsförderungswerke“ sowie der der Leistungsträger und partiell der verschiedenen Ministerien ergeben. Soweit, so gut, wie jedes andere BFW.

Nun kommen aber die Selbsthilfe als notwendiger Bestandteil der zu leistenden Netzwerkarbeit, die Blinden- und Sehbehinderteneinrichtungen, die Augenärzte, die Hilfsmittelindustrie sowie als weitere spezifische Leistungsträger für Menschen mit Schwerbehinderung die Hauptfürsorgestellen (heute Fachstellen für schwerbehinderte
Menschen) und Integrationsämter dazu. Gleichzeitig – aufgrund der Spezifika – fungiert das Haus als Modelleinrichtung, vor allem für das Bundesarbeitsministerium und deren ausländische Gäste. Auf einer Messe wie der RehaCare war dann unser BFW Düren an verschiedenen Ständen mitvertreten, beim Stand der ARGE, bei den Spezialeinrichtungen der BFW und BBW, bei der Selbsthilfe, beim Integrationsfachdienst, beim NRW
Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales und beim Landschaftsverband Rheinland.

Je mehr mir die Bedeutung der Präsenz in den verschiedenen Netzwerken bewusst wurde und welche Verantwortung für den reibungslosen Fortbestand dieses speziellen BFW davon abhängt, umso mehr machte ich mir frühzeitig Gedanken darüber, wer meine Nachfolge antritt. Beim bevorstehenden Ausscheiden der bisherigen Führungskräfte (Herr Stahl und Herr Ersing) keine einfache Überlegung - auch wenn diese noch 10-15 Jahre ausstand.

Die Gelegenheit, potenzielle Kandidaten dafür kennenzulernen, bot sich durch meine Tätigkeit zunächst als kommissarischer Lehrstuhlinhaber und später als Dozent für berufliche Rehabilitation am Lehrstuhl für Psychologie der RWTH Aachen. Die Studierenden unterschiedlicher Studienrichtungen erhielten einerseits bei einer Tageshospitation einen ersten Eindruck vom BFW und der Arbeit. Andererseits wurde im Seminarverlauf das Interesse einiger sichtbar und der persönliche Kontakt zu diesen Studierenden über Diplomarbeiten und Prüfungsteilnahmen wurde intensiver.

Frau Jansen lernte ich gemeinsam mit Herrn Hüllen bei einem Seminar zum Thema „Qualitätssicherung“ näher kennen. Ihre Vorerfahrung mit den verschiedensten BFW Deutschlands, den relevanten Themen der beruflichen Rehabilitation und das große Interesse an der Verknüpfung von Forschung und Rehapraxis machten sie in meinen Augen als Führungskraft für das BFW Düren sehr interessant. Ihre Qualifikation als
Psychologin sowie ihr gutes Gespür für Menschen waren letztlich ausschlaggebend dafür, sie zeitnah nach Ihrer Dissertation als Teamleiterin für das BFW Düren zu gewinnen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das Gespräch. In meinem damaligen (ihrem heutigen) Büro saßen wir uns gegenüber und ich entwickelte die Vorstellung: jetzt Teamleiterin, nach dem absehbaren Ausscheiden von Herrn Ersing möglichst Abteilungsleiterin und anschließend – sofern die Gesellschafter zustimmen – eventuell auch meine Nachfolgerin.

Das war für mich kein Köder. Ich wollte die Chance damals nicht verpassen, zumindest optional meinen Gesellschaftern eine/n Kandidaten/in zu präsentieren, die/der mit der Materie vertraut ist.

So war es Frau Dr. Jansen möglich, das Haus zunächst von innen kennen zu lernen, sich mit den fachlich-inhaltlichen Spezifika der beruflichen Reha von blinden und sehbehinderten Menschen vertraut zu machen, sich dabei in der Mitarbeiterführung zu bewähren, interne Gremienarbeit (z.B. Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung) und externe Aufgaben (Reha-Träger, Gesellschafter, Abstimmungskreis Rahmenvertrag, Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe, Ärzte etc.) kennen zu lernen und sich durch
eigene Erfahrungen, Vorträge, Diskussionen und Konzeptarbeiten ihr Standing zu erarbeiten. Kein Abklatsch der alten Geschäftsführung, sondern ein eigenständiges Gesicht bei Wahrung der Traditionen in einem derartigen Haus zu entwickeln.

Veränderung und Wandel bestimmen den Fortgang, die Weiterentwicklung aber eben auch das Überleben von Organisationen. Mit Fr. Dr. Inge Jansen hat das BFW Düren die Chance, auf einem festen Sockel an Bewährtem fest zu halten und die erforderlichen neuen Wege eigenständig erfolgreich zu gehen. Dafür wünsche ich ihr jegliche Unterstützung, wie auch ich sie immer erfahren habe.
 

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