E-Learning auch für blinde und sehbehinderte Menschen
Neues EU-Projekt im Berufsförderungswerk Düren
In der beruflichen Aus- und Weiterbildung spielt E-Learning eine immer größere Rolle. Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Lernende kann sich neues Wissen zuhause oder am Arbeitsplatz aneignen. Er kann die Zeit, wann er lernen möchte selbst bestimmen. Damit auch blinde und sehbehinderte Menschen in den Genuss dieser Vorteile kommen können, führt das Berufsförderungswerk Düren in Kooperation mit sechs europäischen Partnern das 18-monatige, von der Europäischen Union finanzierte Projekt "E-LearnVIP" durch. Die Experten aus den Spezialeinrichtungen entwickeln Richtlinien, die Menschen mit Seheinschränkungen den Zugang zum E-Learning erleichtern bzw. ermöglichen. Entscheidend ist, das E-Learning-Lehrgänge so gestaltet werden, dass sie den methodischen und visuellen Erfordernissen entsprechen, also barrierefrei sind. Bisherige E-Learning Produkte berücksichtigen diese speziellen Anforderungen nur mangelhaft. Durch ihre grafisch orientierte Lernumgebung, mit Animationen und Videosequenzen, soll den Lernenden eine angenehme Lernumgebung geschaffen werden. Aber gerade dieser Aufbau ist für blinde und sehbehinderte Menschen problematisch. Zwar können blinde Computernutzer mithilfe einer Braillezeile Textinformationen lesen, aber sie können keine grafischen Inhalte erkennen. Auch sehbehinderte Menschen, die am PC üblicherweise ein Vergrößerungsprogramm benutzen, stoßen auf Hindernisse, wenn multimediale Animationen oder Videosequenzen am Monitor dargestellt werden. Jürgen Hüllen, Leiter des Bereiches Forschung und Entwicklung im BFW Düren: "Es gibt zwar bereits anerkannte Richtlinien für die barrierefreie Gestaltung von Internetseiten. Diese Richtlinien sind allerdings nur bedingt auf den Bereich des E-Learning übertragbar. Mit dem Projekt E-LearnVIP wollen wir jetzt Abhilfe schaffen."
Fachleute aus Bildungseinrichtungen für blinde und sehbehinderte Menschen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich werden während der 18monatigen Projektzeit neben den standardisierten Richtlinien eine Bewertungskatalog verfassen. Dieser Bewertungskatalog soll Softwareentwicklern, Produktanbietern und Dienstleistern im E-Learning und CBT Bereicht dabei helfen, barrierefreie E-Learning Produkte zu entwickeln bzw. bereits vorhandene entsprechend anzupassen. In diesem Zusammenhang werden ebenfalls beispielhafte optimierte und barrierefreie E-Learning Umgebungen für blinde und sehbehinderte Nutzer ausgearbeitet. Diese, von Experten der blinden und sehbehinderten Bildung erstellten "Muster" umfassen ein Lernmanagementsystem, ein Videokonferenzsystem und E-Learning-Inhalte. Eine Datenbank, mit allen zurzeit verfügbaren E-Learning Kursen für blinde und sehbehinderte Menschen in den europäischen Partnerländern, mit Bewertungskriterien, wie Grad der Barrierefreiheit, Vielfalt des Lehrgangsangebotes und Abschlussmöglichkeiten, rundet das Ganze ab.


