Das Berufsförderungswerk Düren -
ein modernes Beratungs- und Bildungszentrum
Augenerkrankungen treten oft schicksalhaft auf und sind nicht immer heilbar. So ist eine starke und vor allem dauerhafte Sehbehinderung oder sogar Erblindung in manchen Fällen nicht zu verhindern. Für den betroffenen Arbeitnehmer ist dies eine schwierige Situation. Kann er seine bisherige Berufstätigkeit weiter ausüben? Gibt es Möglichkeiten, um den völligen oder teilweisen Sehausfall auszugleichen? Oder ist der Verlust des Arbeitsplatzes und die berufliche Neuorientierung unvermeidlich?
Frühzeitige Abklärung
Für das Berufsförderungswerk Düren, eines von drei Beratungs- und Bildungszentren der beruflichen Rehabilitation blinder und sehbehinderter Erwachsener in Deutschland, sind solche Fragestellungen Alltag. Seit der Gründung im Jahre 1977 haben Tausende von Betroffenen die Dienstleistungen des BFW in Anspruch genommen - von der Beratung zur Sicherung des bestehenden Arbeitsplatzes über eine völlig neue Ausbildung bis hin zur konkreten Unterstützung bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz sowie bei der Auswahl der notwendigen Hilfsmittel. „Das Wichtigste ist, dass die Betroffenen nicht erst monate- oder sogar jahrelang krankgeschrieben sind, sondern frühzeitig Klarheit haben, ob sie ihren bisherigen Beruf - mit entsprechenden Hilfsmitteln - weiter ausüben können oder ob eine berufliche Umschulung notwendig ist, so BFW-Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig. In vielen Fällen kann der Arbeitsplatz durch den Einsatz von Hilfsmittel und einer intensiven Schulung „gerettet” werden.
Berufliche Neuorientierung
Doch dies gelingt nicht immer. Oftmals ist der Betroffene bereits arbeitslos geworden, bevor er zur Beratung ins BFW kommt. Dann ist zumeist eine berufliche Neuorientierung notwendig. In Düren bietet sich ihm ein breites Ausbildungsangebot, das immer wieder an die sich verändernden Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst wird. Die traditionellen Blinden- und Sehbehindertenausbildungen zum Telefonisten, zur Schreibkraft, zum Industriearbeiter oder der Grundlehrgang für Physikalische Therapie - wenngleich mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten - sind längst ergänzt worden durch eine Vielzahl anderer Ausbildungsgänge, vor allem im Kommunikations-, Büro- und Verwaltungsbereich. Mit der „Medizinischen Tastuntersucherin” wurde jüngst ein neues Berufsfeld speziell für blinde Frauen geschaffen. Aufgrund ihrer ausgeprägten Tastfähigkeiten sind sie besonders geeignet, im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung kleinste Veränderungen der weiblichen Brust festzustellen. Jedem Rehabilitanden steht während der Ausbildung ein passgenauer, moderner PC zur Verfügung - für Blinde mit einer zusätzlichen Braillezeile ausgestattet, mit der geschriebene Texte „gelesen” werden können, für Sehbehinderte eine entsprechende Vergrößerungssoftware. Immer mehr arbeitslose blinde oder sehbehinderte Menschen absolvieren im BFW Düren eine einjährige Integrationsmaßnahme. Nach der Festigung von Kenntnissen und Fertigkeiten folgt ein langes betriebliches Praktikum - oftmals der Einstieg in einen festen Arbeitsplatz. „So individuell und so arbeitsmarktadäquat wie möglich auszubilden.” Dieser Grundsatz gilt im BFW Düren natürlich auch für die individuellen oder in Kleingruppen organisierten Qualifizierungs- und Anpassungsmaßnahmen wie z.B. spezielle PC-Schulungen.
Integration ist Pflichtaufgabe
Für das Berufsförderungswerk Düren ist die Integration der Rehabilitanden in den Arbeitsmarkt eine Pflichtaufgabe. „Es ist unser Ziel, gemeinsam mit dem jeweiligen Rehabilitanden einen Arbeitsplatz zu finden, der seinen persönlichen Fähigkeiten und Kenntnissen, aber auch seiner Gesamtpersönlichkeit entspricht. Davon profitieren letztlich alle." erläutert Abteilungsleiterin Frau Dr. Inge Jansen. Das Konzept einer umfassenden Betreuung sowohl des Rehabilitanden als auch des Arbeitgebers geht bisher voll auf, denn trotz der schwierigen Arbeitsmarktlage für Schwerbehinderte konnten in den letzten zehn Jahren regelmäßig Vermittlungsergebnisse von 70 Prozent erreicht werden - eine Zahl, die sich sehen lassen kann.
Karl-Albert Eßer


