Festveranstaltung
Das Berufsförderungswerk Düren feiert am 22. September 2010 sein 50-jähriges Bestehen. Die Festveranstaltung findet um 11 Uhr auf Schloss Burgau statt.
Wertvolle Hinweise mit in die bulgarische Heimat genommen
Gäste lernten im BFW Düren berufliche Reha hautnah kennen
Düren. Wie vorbildlich die berufliche Rehabilitation in Deutschland ist, erfuhren Wirtschaftsstudenten der Freien Universität Varna bei ihrem Besuch des Berufsförderungswerkes Düren. Die bulgarischen Gäste, die bei ihrer Deutschland-Tour mehrere Unternehmen besichtigten, hatten sich ausdrücklich auch für eine Besichtigung des Dürener Zentrums für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen entschieden. Kennengelernt hatten sie das BFW Düren bereits durch Heinrich Niehaves, der als Gastprofessor in Varna lehrt und zugleich seit vielen Jahre Dozent der Dürener Einrichtung ist. Das Hauptinteresse der Studenten und ihrer Professorin Galya Gercheva-Nestorova galt natürlich der Frage, wie es gelingt, eine hohe Zahl von Absolventen der einzelnen Qualifizierungsmaßnahmen im BFW Düren wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein solches System der beruflichen Rehabilitation, das neben den sozialpolitischen Aspekt der Teilhabe erhebliche ökonomische Vorteile bietet, existiert in Bulgarien noch nicht. Für die Gäste brachte der Besuch somit wertvolle Hinweise, wie sie im eigenen Land berufliche Rehabilitation verwirklichen können.
BFW Düren zeigte auf SightCity Perspektiven auf
Drei Tage lang präsentierte sich das Berufsförderungswerk Düren auf der größten deutschen Fachmesse für Blinden und Sehbehinderten-Hilfsmittel in Frankfurt. Diese Messe gibt den betroffenen Menschen einen hervorragenden Überblick über die neuesten Hilfsmittel, aber auch über die beruflichen Möglichkeiten nach dem Eintreten der Erblindung bzw. einer dauerhaften Sehbeeinträchtigung. Das BFW Düren als eines von drei bundesweit anerkannten Zentren für die berufliche Bildung sehbehinderter Menschen konnte interessierten Standbesuchern Beratungs- und Bildungsmöglichkeiten aufzeigen, um den noch vorhandenen Arbeitsplatz zu erhalten oder durch eine neue Qualifizierung wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Besondere Nachfrage fand das neue Berufsfeld „Medizinische Tastuntersucherin”, das in Kooperation mit Frauenärzten angeboten wird. Nach einer eigens entwickelten Methode zur klinischen Brustuntersuchung sind blinde Frauen mit besonderen Tastfähigkeiten in der Lage, kleinste Veränderungen der weiblichen Brust festzustellen. Die Medizinische Tastuntersucherin übt ihren Beruf nach der Qualifizierung unter Verantwortung eines Frauenarztes aus.
Nahezu blind, aber nicht zur Untätigkeit verurteilt
Bericht von Jörg Abels
Dank Unterstützung des Bfw gehört Fahriye Delen zu den freundlichen Stimmen
in der Telefonzentrale der Kreispolizeibehörde.
Fahriye Delen strahlt. Seit wenigen Wochen ist sie eine der
freundlichen Stimmen in der Telefonzentrale der Kreispolizeibehörde. Dass
die 39-Jährige nahezu blind ist, merken die Anrufer kaum. Fahriye Delen
sorgt dank ihres speziell eingerichteten Arbeitsplatzes (u. a. ein PC mit
vergrößerter Bildschirmdarstellung und Brailleschrifttastatur) für die
richtige Verbindung. Die rund 400 Telefonanschlüsse der einzelnen
Dienststellen mit den Namen der Mitarbeiter zu verbinden, ist für sie ein
Klacks. Die gebürtige Türkin, die lange Jahre in Saarbrücken lebte, war
früher anderes gewohnt. In der Telefonzentrale der Mainzer Landesregierung
musste sie Gespräche in mehrere Ministerien und Dienststellen vermitteln,
verteilte Anrufe auf mehr als 4000 Anschlüsse. Einzige Hürde bei ihrer neuen
Tätigkeit: Nicht jeder Anrufer bei der Polizei will direkt mit einem
namentlich bekannten Mitarbeiter verbunden werden, viele wollen einen
Vorfall melden, nennen nur ein Stichwort. Aber auch diese Hürde hat die
trotz ihrer Behinderung lebenslustige Türkin längst gemeistert; Dank der
Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, aber auch von Seiten des
Berufsförderungswerks (Bfw) Düren, von dem sie seit vielen Jahren betreut
wird.
Im Bfw ist sie vor Jahren zur Telefonistin ausgebildet worden, und das Bfw
sprang ihr auch zur Seite, als sie vor Monaten ihre Arbeitsstelle in Mainz
verlor und nicht direkt eine neue passende fand. Sascha Fackeldey,
Teamleiter berufliche Eingliederung beim Bfw, nahm Fahriye Delen im Rahmen
einer Integrationsmaßnahme unter seine Fittiche. Normalerweise erstrecken
sich die auf ein Jahr, doch im Fall der 38-Jährigen ging alles viel
schneller. Als nach wenigen Wochen das Stellenangebot der Polizei kam, griff
Fahriye Delen sofort zu. Das Bfw regelte das Notwendige, vor allem dass der
Arbeitsplatz behindertengerecht ausgestattet wurde, organisierte aber auch
ein Mobilitätstraining, damit die Rehabilitandin den Weg von ihrer Wohnung
zur Arbeitsstelle alleine meistern kann. ”Wir stehen dem Rehabilitanden und
dem Arbeitgeber auch nach der Einstellung immer zur Seite", versucht
Karl-Albert Eßer vom Bfw Firmen, Betrieben und Behörden die Scheu vor der
Einstellung eines Sehbehinderten oder blinden Menschen zu nehmen.
”Arbeitgeber können sich bei der Betreuung jederzeit auf uns verlassen",
versichert Eßer.
Pro Jahr werden bis zu 200 Rehabilitanden im Dürener Bfw auf eine spätere
Tätigkeit vorbereitet, 60 davon nehmen an Integrationsmaßnahmen teil.
”Wichtigstes Ziel ist es, Erwachsene mit einer Sehschädigung auf dem
Arbeitsmarkt einzugliedern, beziehungsweise bestehende Arbeitsverhältnisse
zu sichern und den Betroffenen damit eine aktive Teilhabe an der
Gesellschaft zu ermöglichen", heißt es im Leitbild der gemeinnützigen GmbH.
”Wer motiviert und räumlich flexibel ist wie Frau Delen, hat gute Chancen
auf dem Arbeitsmarkt", verweist Sascha Fackeldey auf eine Vermittlungsquote
des Bfw, die zuletzt bei 70 Prozent lag. ”Sie war auch schon mal höher. Aber
auch wir bekommen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren", ergänzt
Eßer. ”Wichtig ist, dass die Persönlichkeit des Rehabilitanten zur Tätigkeit
passt." Bei Fahriye Delen ist das der Fall. Ihr macht die Arbeit als
Telefonistin großen Spaß. Sie ist ein Musterbeispiel für die erfolgreiche
Integration Sehbehinderter in den Arbeitsmarkt.
Integration durch Blindenschrift
LVR-Louis-Braille-Schule feierte 200. Geburtstag des Erfinders der Blindenschrift.
Düren. Die Faszination für die Blindenschrift ist sowohl bei blinden als auch bei sehenden Menschen bis heute ungebrochen. Ein Grund hierfür ist, dass sie sehbehinderten Menschen einen Zugang zu Kultur, Bildung und Wissenschaft und damit eine Integration ins gesellschaftliche Leben ermöglicht.
In der Dürener LVR-Förderschule „Louis Braille” fand jetzt die Abschlussveranstaltung der „Tour de Braille” statt. Dieser deutschlandweite Lesemarathon des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes wurde anlässlich des diesjährigen 200. Geburtstages von Louis Braille, dem Erfinder der Blinden-Punkt-Schrift, initiiert.
Durch das vielfältige Programm bekamen die Besucher einen Einblick in das Leben und die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen. Das Berufsförderungswerk informierte an seinem Stand über mögliche Weiterbildungsmaßnahmen für sehbehinderte und blinde Menschen. Die Besucher konnten mithilfe einer Augenbinde selber testen, welche ungeahnten Schwierigkeiten sich in der alltäglichen Mobilität ergeben, wenn man nichts mehr sieht.
Zudem konnten die Gäste einen Sehtest machen, die Arbeit von Therapiehunden und -pferden kennen lernen und ein Blindenfußballspiel zwischen den Bundesligamannschaften aus Köln und Dortmund hautnah miterleben. Begleitet wurde die Veranstaltung von verschiedenen Musik- und Theaterdarbietungen.
Den Höhepunkt des Tages bildete ein Festakt, zu dem Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Karl-Josef Laumann, Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Grußworte sprachen. Schmidt betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit der Braille-Schrift für die Teilhabe sehbehinderter Menschen in der Gesellschaft und dass sich die Behinderten-politik von der Fürsorge hin zur Integration entwickeln müsse. Sie ermutigte zudem behinderte Menschen, sich mehr in die Politik einzumischen: „Sie als blinde Menschen müssen uns Sehenden die Augen öffnen, damit die Grenzen überwunden werden.” Auch Laumann machte deutlich, dass gesellschaftliche Integration nur dann als gelungen betrachtet werden kann, „wenn die Menschen auch die Möglichkeit erhalten, einer Erwerbstätigkeit nach zu gehen”, so der Minister.
Im Anschluss wurden die Gewinner des bundesweiten Punktschriftlesewettbewerbs geehrt. Zu den Siegern gehörten Larissa Tepelmann, Eva Wolf, Melissa Geray und Lorena Dürrnholz.
Julia Voss


