Fachtagung „Inklusion schwerbehinderter Akademikerinnen und Akademiker”
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fachtagung
„Inklusion schwerbehinderter Akademikerinnen und Akademiker”
erörterten am 08. Dezember 2011 in den Räumen der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit in Bonn aktuelle Integrationsprogramme und Praxisbeispiele zur Inklusion schwerbehinderter Menschen.
In diesem Rahmen wurde auch die in den Berufsförderungswerken Düren und Oberhausen durchgeführte „Qualifizierungsmaßnahme für den Landesdienst NRW” als positives Beispiel einer erfolgreichen Integration besonders hervorgehoben.
Ehemalige Teilnehmerin des BFW Düren mit dem Integrationspreis des VdK ausgezeichnet
Im Rahmen der Messe REHACARE International in Düsseldorf wurde am 23.09.2011 zum dritten Mal der VdK-Integrationspreis für Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Beschäftigung im Gesamtwert von 16.000 Euro verliehen. Insgesamt acht Preisträgerinnen und Preisträger aus ganz NRW wurden ausgezeichnet.
Eine der ausgezeichneten Preisträgerinnen war Frau Carla Hinz.

Bild: v.l.: Laudatorin Margret Siebert, Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Carina Hinz mit Blindenführhund Dusty, Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und Karl-Heinz Fries, Vorsitzender des Sozialverbands VdK Nordrhein-Westfalen e.V.
Frau Hinz ist Projektassistentin in einer Stabsstelle des Rechenzentrums der Finanzverwaltung NRW. Sie war eine der besten Absolventinnen einer Qualifizierungsmaßnahme für schwerbehinderte Menschen im Berufsförderungswerk. Das verwundert nicht, ist sie doch der Typ Mensch, der Probleme schnell und klar erkennt und zielgerichtet löst. In der Stabsstelle ist ihr Tätigkeitsbereich ausgesprochen vielfältig, von der Vor- und Nachbereitung bundesweiter Treffen der Rechenzentren über die Unterstützung der Sitzungen im BackOffice bei dringenden Problemen bis in zu Änderungen in den elektronischen Elster-Steuerformularen. Viele, die mit ihr zusammenarbeiten, wissen gar nicht, dass sie blind ist. Seit einigen Monaten hat sie einen Blindenführhund, der ihr treuer Begleiter ist.
Schirmherr des Preises ist Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Stellvertretend für Minister Schneider beglückwünschte Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer die Ausgezeichneten: „Mit dem Integrationspreis des Sozialverbands VdK NRW e. V., der in diesem Jahr bereits zum dritten Mal vergeben wird, wird ein wichtiges Zeichen gesetzt für die berufliche Teilhabe der Menschen mit Behinderungen und deren Integration. Menschen mit Handicaps haben ein vielfältiges Potential, wie wir auf dem Arbeitsmarkt sehen und anlässlich der Preisverleihung auch live erleben können. Arbeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und bedeutet gesellschaftliche Anerkennung. Den Preisträgern gratuliere ich sehr herzlich.“

Bild: Die 8 Preisträgerinnen und Preisträger des VdK-Integrationspreises 2011 gemeinsam mit Dr. Wilhelm Schäffer, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (5.v. l. stehend) sowie den Laudatorinnen und Laudatoren der den VdK-Integrationspreis unterstützenden Organisationen.
Alle Fotos: Armin Strauch
Veröffentlichung mit Genehmigung der Redaktion der VdK-Zeitung NRW
Thomas Rachel MdB: Berufsförderungswerk Düren ist Kompetenzzentrum der beruflichen Integration sehbehinderter Menschen
Düren.- Der CDU-Bundestagsabgeordnete des Kreises Düren und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, besuchte das hiesige Berufsförderungswerk Düren nicht zum ersten und ganz sicher nicht zum letzten Mal. Immer wieder informiert er sich über die Arbeit dieses Beratungs- und Bildungszentrums für blinde und sehbehinderte Menschen. Dabei geht der Blick vor allem auf die innovativen Ansätze und Projekte des BFW, die auch von der Bundesregierung mit Mitteln aus dem Ausgleichsfond derzeit in Höhe von 85.267 Euro gefördert werden. Viele nationale und internationale Projekte hat er in den letzten Jahren kennengelernt. „Das Berufsförderungswerk Düren hat sich zu einem Kompetenzzentrum bei allen Fragen der beruflichen Integration blinder und sehbehinderter Menschen entwickelt.”, lobte Rachel im Gespräch mit BFW-Geschäftsführer Dr. Hans Zeißig. Dass dieser Weg kontinuierlich weiter beschritten wird, wurde während des Gespräches auch deutlich. Zeißig wies darauf hin, dass die Zahl der sehbehinderten Menschen in den nächsten Jahren steigen wird. Bereits heute sind in Deutschland 4,5 Millionen an Makuladegeneration erkrankt und ca. acht Millionen an Diabetes, die in vielen Fällen Sehbehinderungen und sogar Erblindungen zur Folge hat. Die Folgen sind ca. 100.000 bis 125.000 Neuerblindungen pro Jahr. Diese Entwicklungen vollziehen sich vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft, die zunehmend Fachkräfte sucht. „Noch immer gibt es keinen optimalen Übergang von der medizinischen zur beruflichen Rehabilitation, weil eine frühzeitige qualifizierte Beratung fehlt”, so Zeißig, der in dieser These unterstützt wurde von Prof. Norbert Schrage, dem Direktor und Chefarzt der Augenklinik Köln-Merheim. Eine wichtige Zukunftsaufgabe sei es daher, den von einer Sehbehinderung betroffenen Menschen eine zeitnahe Beratung über ihre Chancen einer weiteren beruflichen Teilhabe zu sichern. Wie dies deutlich verbessert werden kann, darüber will das BFW gemeinsam mit Fachleuten wie Prof. Schrage und politisch Verantwortlichen nachdenken.
Fachkraft für Qualitätsmanagement -
eine neue Chance für Menschen mit Sehschädigung.
Das BFW Düren hat im April eine neue Integrationsmaßnahme gestartet
Qualitätsmanagement ist heutzutage für moderne Unternehmen selbstverständlich. Es dient der Verbesserung von Produkten, Prozessen oder Leistungen jeglicher Art und ist somit eine der Kernaufgaben des Managements. In einigen Branchen wie der medizinischen Rehabilitation oder der Arznei- und Lebensmittelherstellung ist das Qualitätsmanagement sogar zwingend vorgeschrieben.
Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern steigt deutlich an. Beschäftigungsmöglichkeiten für QM-Fachkräfte eröffnen sich aber auch zunehmend in Beraterfirmen. Diesen Trend hat man auch im Berufsförderungswerk Düren erkannt und nimmt ab April 2011 in Kooperation mit dem TÜV Rheinland die Integrationsmaßnahme „Fachkraft für Qualitätsmanagement DIN EN ISO 9001:2008“ in das Kursangebot auf.
Dieser Kurs richtet sich an alle Menschen mit Sehschädigung und ist speziell auf deren Bedürfnisse abgestimmt. Neben Barrierefreiheit und einer individuellen Hilfsmittelausstattung werden die Teilnehmer im gesamten Verlauf intensiv pädagogisch betreut. Am Anfang der Qualifizierung steht ein dreimonatiges, modulares Lehrgangskonzept in dem den Teilnehmern Grundlagen vermittelt werden. In dieser Zeit können sie, wenn sie weiter entfernt wohnen, ein Einzelzimmer im BFW Düren beziehen. Danach folgt ein, bis zu neunmonatiges Praktikum in einem, wenn möglich wohnortnahen, zertifizierten Betrieb. Das Praktikum wird im gesamten Verlauf von erfahrenen Dozenten unterstützt. Zum Ende der Maßnahme erfolgt die Prüfung zum Qualitätsbeauftragten (TÜV), durch den TÜV Rheinland.
Die Kosten der Maßnahme werden im Rahmen der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in der Regel vollständig übernommen.
Weitere Fragen zur Integrationsmaßnahme „Fachkraft für Qualitätsmanagement DIN EN ISO 9001:2008“ beantwortet Ihnen gerne Frau Dr. Inge Jansen per Mail unter jansen@ausb.bfw-dueren.de oder telefonisch unter 0 24 21/598 245.

Aktuelles zur Landesqualifizierung für arbeitslose Schwerbehinderte
Pressemeldung des Ministeriums für Inneres und Kommunales des
Landes Nordrhein-Westfalen
Landesqualifizierung für arbeitslose Schwerbehinderte - eine Erfolgsgeschichte
Innenminister Jäger: Wir nehmen unsere Verantwortung ernst
Das Ministerium für Inneres und Kommunales teilt mit:
In den Berufsförderungswerken Düren und Oberhausen erwarben bis heute mehr als 200 schwerbehinderte Personen, darunter 80 sehbehinderte und blinde Menschen, ihre berufliche Befähigung für eine unbefristete Anstellung in den Dienststellen der Landesverwaltung. „Die Landesqualifizierung NRW ist seit 1997 eine Erfolggeschichte. Das Land nimmt seine Verantwortung sehr ernst, behinderten Menschen eine sichere Perspektive zu bieten”, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (19.01.) in Düsseldorf.
Die zwei Teilnehmerinnen und drei Teilnehmer der 14. Qualifizierungsklasse des Berufsförderungswerkes Düren für arbeitslose Sehbehinderte und Blinde diskutierten mit dem Minister bei ihrem Besuch im Landtag. Sie stehen kurz vor ihrer Prüfung zu „Verwaltungsfachangestellten in der Landesverwaltung”. „Die „Landesqualifizierung NRW” ist ein Garant dafür, dass Menschen mit Behinderungen eine unbefristete Anstellung in Dienststellen der Landesverwaltung erhalten”, sagte der Minister
Bei der Maßnahme werden die bereits als Kaufleute und Verwaltungsfachangestellte gut ausgebildeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer zusätzlichen achtmonatigen Landesqualifizierung fit gemacht. Unterrichtsstoff aus vielen Bereichen, wie z. B. Staats-, Verfassungs- und Europarecht, Verwaltungs- und Ordnungsrecht, Haushaltsrecht, die Bearbeitung von Beihilfe- und Reisekostenanträgen sowie spezielle Computerkenntnisse zählen dabei zum Unterrichtsstoff.
Seit vielen Jahren legt die Landesregierung besonderen Wert darauf, gezielt die Beschäftigungssituation schwerbehinderter Menschen zu verbessern, als Vorbild für alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche zu wirken, die Arbeitslosenquote im Bereich Schwerbehinderter zu senken und - vor allem - das Potenzial der Absolventinnen und Absolventen zukünftig für die Landesverwaltung zu nutzen. „Die behinderten Beschäftigten leisten eine ebenso gute Arbeit wie ihre nichtbehinderten Kollegen”, stellte Jäger fest. „Die gemeinsame Arbeit in Teams verbindet und schafft ein soziales Miteinander über bestehende Handicaps hinweg.”
Im Geschäftsbereich des NRW-Innenministeriums arbeiten über 3.680 schwerbehinderte Menschen. Das sind rund 6,6 Prozent aller Beschäftigten nach den Erhebungen für das Jahr 2009. „Damit haben wir die vom Gesetzgeber geforderte Quote übertroffen und im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Die Bemühungen der Landesregierung mehr schwerbehinderte Menschen in der Landesverwaltung zu beschäftigen tragen Früchte”, sagte Jäger.
Veröffentlichung mit Genehmigung des Ministeriums für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen
50 Jahre institutionelle berufliche Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland
Das Berufsförderungswerk Düren mit Sitz in der Karl-Arnold-Straße hat gestern den ganzen Tag gefeiert. Es gab Führungen durch das Berufsförderungswerk, Erfahrungsberichte von ehemaligen Schülern des BfW, die in den 70er Jahren hier ausgebildet wurden, und die Vorführung verschiedener Sportarten für blinde und sehbehinderte Menschen.
Mittelpunkt der Feierlichkeiten war aber der Festakt im Winkelsaal von Schloss Burgau, dessen musikalische Gestaltung ein Klarinetten-Ensemble der Musikschule Düren unter der Leitung von Joachim Locker übernommen hatte.
Nach der Begrüßung durch die Landesrätin Frau Martina Hoffmann-Badache des Landschaftsverbandes Rheinland gleichzeitig Vorsitzende der Gesellschafter-
versammlung des BfW in Düren, hielt Frau Ministerialdirektorin Brigitte Lampersbach, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Festrede. Grußworte wurden gerichtet von Frau Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW, Herr Holger Baumann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, Herr Hans-Werner Lange, Vizepräsident des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-
verbandes und Herr Werner Otte, Vorsitzender der ARGE „Die Deutschen Berufsförderungswerke e. V.”. Zudem gab es Grußworte von Bürgermeister Herr Paul Larue und Herrn Axel Eichstätt, einer der rund 200 Rehabilitanden des Dürener BfW. Herr Dr. Zeißig, Geschäftsführer des BFW, bedankte sich bei den Rednern und dem Klarinettenensemble der Musikschule Düren.
Wertvolle Hinweise mit in die bulgarische Heimat genommen
Gäste lernten im BFW Düren berufliche Reha hautnah kennen
Düren. Wie vorbildlich die berufliche Rehabilitation in Deutschland ist, erfuhren Wirtschaftsstudenten der Freien Universität Varna bei ihrem Besuch des Berufsförderungswerkes Düren. Die bulgarischen Gäste, die bei ihrer Deutschland-Tour mehrere Unternehmen besichtigten, hatten sich ausdrücklich auch für eine Besichtigung des Dürener Zentrums für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen entschieden. Kennengelernt hatten sie das BFW Düren bereits durch Heinrich Niehaves, der als Gastprofessor in Varna lehrt und zugleich seit vielen Jahre Dozent der Dürener Einrichtung ist. Das Hauptinteresse der Studenten und ihrer Professorin Galya Gercheva-Nestorova galt natürlich der Frage, wie es gelingt, eine hohe Zahl von Absolventen der einzelnen Qualifizierungsmaßnahmen im BFW Düren wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein solches System der beruflichen Rehabilitation, das neben den sozialpolitischen Aspekt der Teilhabe erhebliche ökonomische Vorteile bietet, existiert in Bulgarien noch nicht. Für die Gäste brachte der Besuch somit wertvolle Hinweise, wie sie im eigenen Land berufliche Rehabilitation verwirklichen können.
BFW Düren zeigte auf SightCity Perspektiven auf
Drei Tage lang präsentierte sich das Berufsförderungswerk Düren auf der größten deutschen Fachmesse für Blinden und Sehbehinderten-Hilfsmittel in Frankfurt. Diese Messe gibt den betroffenen Menschen einen hervorragenden Überblick über die neuesten Hilfsmittel, aber auch über die beruflichen Möglichkeiten nach dem Eintreten der Erblindung bzw. einer dauerhaften Sehbeeinträchtigung. Das BFW Düren als eines von drei bundesweit anerkannten Zentren für die berufliche Bildung sehbehinderter Menschen konnte interessierten Standbesuchern Beratungs- und Bildungsmöglichkeiten aufzeigen, um den noch vorhandenen Arbeitsplatz zu erhalten oder durch eine neue Qualifizierung wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Besondere Nachfrage fand das neue Berufsfeld „Medizinische Tastuntersucherin”, das in Kooperation mit Frauenärzten angeboten wird. Nach einer eigens entwickelten Methode zur klinischen Brustuntersuchung sind blinde Frauen mit besonderen Tastfähigkeiten in der Lage, kleinste Veränderungen der weiblichen Brust festzustellen. Die Medizinische Tastuntersucherin übt ihren Beruf nach der Qualifizierung unter Verantwortung eines Frauenarztes aus.
Nahezu blind, aber nicht zur Untätigkeit verurteilt
Bericht von Jörg Abels
Dank Unterstützung des Bfw gehört Fahriye Delen zu den freundlichen Stimmen
in der Telefonzentrale der Kreispolizeibehörde.
Fahriye Delen strahlt. Seit wenigen Wochen ist sie eine der
freundlichen Stimmen in der Telefonzentrale der Kreispolizeibehörde. Dass
die 39-Jährige nahezu blind ist, merken die Anrufer kaum. Fahriye Delen
sorgt dank ihres speziell eingerichteten Arbeitsplatzes (u. a. ein PC mit
vergrößerter Bildschirmdarstellung und Brailleschrifttastatur) für die
richtige Verbindung. Die rund 400 Telefonanschlüsse der einzelnen
Dienststellen mit den Namen der Mitarbeiter zu verbinden, ist für sie ein
Klacks. Die gebürtige Türkin, die lange Jahre in Saarbrücken lebte, war
früher anderes gewohnt. In der Telefonzentrale der Mainzer Landesregierung
musste sie Gespräche in mehrere Ministerien und Dienststellen vermitteln,
verteilte Anrufe auf mehr als 4000 Anschlüsse. Einzige Hürde bei ihrer neuen
Tätigkeit: Nicht jeder Anrufer bei der Polizei will direkt mit einem
namentlich bekannten Mitarbeiter verbunden werden, viele wollen einen
Vorfall melden, nennen nur ein Stichwort. Aber auch diese Hürde hat die
trotz ihrer Behinderung lebenslustige Türkin längst gemeistert; Dank der
Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, aber auch von Seiten des
Berufsförderungswerks (Bfw) Düren, von dem sie seit vielen Jahren betreut
wird.
Im Bfw ist sie vor Jahren zur Telefonistin ausgebildet worden, und das Bfw
sprang ihr auch zur Seite, als sie vor Monaten ihre Arbeitsstelle in Mainz
verlor und nicht direkt eine neue passende fand. Sascha Fackeldey,
Teamleiter berufliche Eingliederung beim Bfw, nahm Fahriye Delen im Rahmen
einer Integrationsmaßnahme unter seine Fittiche. Normalerweise erstrecken
sich die auf ein Jahr, doch im Fall der 38-Jährigen ging alles viel
schneller. Als nach wenigen Wochen das Stellenangebot der Polizei kam, griff
Fahriye Delen sofort zu. Das Bfw regelte das Notwendige, vor allem dass der
Arbeitsplatz behindertengerecht ausgestattet wurde, organisierte aber auch
ein Mobilitätstraining, damit die Rehabilitandin den Weg von ihrer Wohnung
zur Arbeitsstelle alleine meistern kann. ”Wir stehen dem Rehabilitanden und
dem Arbeitgeber auch nach der Einstellung immer zur Seite", versucht
Karl-Albert Eßer vom Bfw Firmen, Betrieben und Behörden die Scheu vor der
Einstellung eines Sehbehinderten oder blinden Menschen zu nehmen.
”Arbeitgeber können sich bei der Betreuung jederzeit auf uns verlassen",
versichert Eßer.
Pro Jahr werden bis zu 200 Rehabilitanden im Dürener Bfw auf eine spätere
Tätigkeit vorbereitet, 60 davon nehmen an Integrationsmaßnahmen teil.
”Wichtigstes Ziel ist es, Erwachsene mit einer Sehschädigung auf dem
Arbeitsmarkt einzugliedern, beziehungsweise bestehende Arbeitsverhältnisse
zu sichern und den Betroffenen damit eine aktive Teilhabe an der
Gesellschaft zu ermöglichen", heißt es im Leitbild der gemeinnützigen GmbH.
”Wer motiviert und räumlich flexibel ist wie Frau Delen, hat gute Chancen
auf dem Arbeitsmarkt", verweist Sascha Fackeldey auf eine Vermittlungsquote
des Bfw, die zuletzt bei 70 Prozent lag. ”Sie war auch schon mal höher. Aber
auch wir bekommen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren", ergänzt
Eßer. ”Wichtig ist, dass die Persönlichkeit des Rehabilitanten zur Tätigkeit
passt." Bei Fahriye Delen ist das der Fall. Ihr macht die Arbeit als
Telefonistin großen Spaß. Sie ist ein Musterbeispiel für die erfolgreiche
Integration Sehbehinderter in den Arbeitsmarkt.
Integration durch Blindenschrift
LVR-Louis-Braille-Schule feierte 200. Geburtstag des Erfinders der Blindenschrift.
Düren. Die Faszination für die Blindenschrift ist sowohl bei blinden als auch bei sehenden Menschen bis heute ungebrochen. Ein Grund hierfür ist, dass sie sehbehinderten Menschen einen Zugang zu Kultur, Bildung und Wissenschaft und damit eine Integration ins gesellschaftliche Leben ermöglicht.
In der Dürener LVR-Förderschule „Louis Braille” fand jetzt die Abschlussveranstaltung der „Tour de Braille” statt. Dieser deutschlandweite Lesemarathon des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes wurde anlässlich des diesjährigen 200. Geburtstages von Louis Braille, dem Erfinder der Blinden-Punkt-Schrift, initiiert.
Durch das vielfältige Programm bekamen die Besucher einen Einblick in das Leben und die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen. Das Berufsförderungswerk informierte an seinem Stand über mögliche Weiterbildungsmaßnahmen für sehbehinderte und blinde Menschen. Die Besucher konnten mithilfe einer Augenbinde selber testen, welche ungeahnten Schwierigkeiten sich in der alltäglichen Mobilität ergeben, wenn man nichts mehr sieht.
Zudem konnten die Gäste einen Sehtest machen, die Arbeit von Therapiehunden und -pferden kennen lernen und ein Blindenfußballspiel zwischen den Bundesligamannschaften aus Köln und Dortmund hautnah miterleben. Begleitet wurde die Veranstaltung von verschiedenen Musik- und Theaterdarbietungen.
Den Höhepunkt des Tages bildete ein Festakt, zu dem Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Karl-Josef Laumann, Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Grußworte sprachen. Schmidt betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit der Braille-Schrift für die Teilhabe sehbehinderter Menschen in der Gesellschaft und dass sich die Behinderten-politik von der Fürsorge hin zur Integration entwickeln müsse. Sie ermutigte zudem behinderte Menschen, sich mehr in die Politik einzumischen: „Sie als blinde Menschen müssen uns Sehenden die Augen öffnen, damit die Grenzen überwunden werden.” Auch Laumann machte deutlich, dass gesellschaftliche Integration nur dann als gelungen betrachtet werden kann, „wenn die Menschen auch die Möglichkeit erhalten, einer Erwerbstätigkeit nach zu gehen”, so der Minister.
Im Anschluss wurden die Gewinner des bundesweiten Punktschriftlesewettbewerbs geehrt. Zu den Siegern gehörten Larissa Tepelmann, Eva Wolf, Melissa Geray und Lorena Dürrnholz.
Julia Voss


